Die europäische Strafverfolgungsbehörde Europol hat in einer zweieinhalbmonatigen Operation zwischen September und November weltweit tausende sogenannte Finanzagenten ("Geldkuriere", englisch "Money Mules" also "Geldesel") und dahinterstehende Drahtzieher ausgehoben. Laut einer Mitteilung wurden 18.351 Kuriere und 324 Anwerber identifiziert. Es kam zu 1803 Festnahmen, in 2503 Fällen wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die durch die Aktion verhinderten Verluste werden mit 67,5 Millionen Euro beziffert. In die Operation waren weltweit Behörden aus 27 Ländern so wie der Privatsektor mit Unternehmen wie Western Union, Microsoft und Fourthline einbezogen.

Money Mules werden in vielen Fällen durch vermeintlich lukrative Jobangebote angeworben – über Facebook oder Whatsapp und andere soziale Medienkanäle. Angesprochen werden besonders häufig Gruppen, die auf Zusatzeinnahmen angewiesen sind, wie Studenten, Leute, die neu in einem Land sind oder Arbeitslose.

Vortäuschung legaler Unternehmenstransaktionen 
Oft sind die Angebote nicht auf den ersten Blick als kriminell zu erkennen. Darauf weist das österreichische Bundeskriminalamt (BK) hin, das sich an der Europol-Aktion "DontbeaMule" beteiligt. "Die Täter kopieren dabei echte Websites oder nutzen ähnliche Web-Adresse wie bei bestehenden legalen Firmen", heißt es beim BK. Damit soll der Betrug verschleiert und ein authentischer Unternehmensbezug hergestellt werden. Später werde dem Finanzagenten meist Geld aus dem Ausland überwiesen, das er entweder weitertransferieren oder beheben und übergeben beziehungsweise versenden muss. Für diesen Dienst erhält der Kurier eine Gebühr.

Auch wenn man sich gutgläubig als Finanzagent anwerben lässt, gilt die alt bekannte Regel: Unwissenheit ist keine Entschuldigung. Kuriere helfen dabei mit, eine Straftat zu vollenden und illegale Erträge reinzuwaschen, die häufig aus Betrug, Fakeshops, Phising oder anderen kriminellen Handlungen stammen. (eml)