Vor zehn Tagen war Rüdiger Wienberg noch zuversichtlich. Zu diesem Zeitpunkt führte der vorläufige Insolvenzverwalter der Berliner Fluggesellschaft Germania Gespräche mit einigen Kaufinteressenten. Doch die Zeit drängte und eine Lösung musste bis spätestens Ende März gefunden werden. Nun steht fest: Es gibt keine Rettung mehr für die seit Anfang Februar insolvente Airline: Alle "seriösen Bieter" seien abgesprungen. Damit könne eine Stilllegung der Gesellschaft nicht mehr verhindert werden, teilt der Insolvenzverwalter mit. Die Ausgangslage sei von Anfang an schwierig gewesen: "Germania war gegroundet, wir hatten keine eigenen Flugzeuge und kein Geld, die Leasingraten zu bezahlen", erklärte Wienberg. Knackpunkt sei der enge Zeitplan gewesen. 

Das weltweit verhängte Flugverbot für die Boeing 737 Max nach zwei mysteriösen Abstürzen hatte die Lage zuletzt noch einmal verschärft, berichtet derweil der "Tagesspiegel".  Airlines hätten den Ausfall mit anderen Flugzeugen schleunigst ausgleichen wollen, was die Nachfrage bei Leasinggesellschaften in die Höhe katapultierte. "Entsprechend schwierig war es, die Leasinggeber dazu zu bewegen, uns weiterhin die Flugzeuge zur Verfügung zu stellen – zumal wir die Leasingraten nicht bezahlen konnten", räumte Wienberg gegenüber der Tageszeitung aus Berlin ein.

Flugzeufonds nicht betroffen
Germania kann aus eigener Kraft keine Geschäfte fortführen oder aufnehmen und wird stillgelegt. Die aktuell noch rund 1400 Mitarbeiter werden gekündigt und mit Ende dieser Woche freigestellt. Damit verschwindet nach Air Berlin, die 2017 den Betrieb eingestellt hat, innerhalb von zwei Jahren die zweite deutsche Fluggesellschaft von der Bildfläche. Der von der Germania-Pleite tangierte Flugzeugfonds "Air Portfolio II" ist von dem endgültigen Aus der Berliner Gesellschaft nicht direkt betroffen. Denn die Maschinen sind wie berichtet weiterhin bei der Germania Flug AG in der Schweiz beschäftigt. Sie ist nicht insolvent und seit kurzem in vollständigem Besitz einer Reiseunternehmerin, nachdem auch die deutsche Germania ihre Anteile verkauft hatte. (ae/ps)