Gold im Blick, Platin im Vorteil? Was jetzt für das Metall spricht
Steigende Zinsen belasten Edelmetalle. Doch Zweifel an der Fed, hohe US-Schulden und ein enger physischer Markt könnten Platin stützen. Der Brnachenverband WPIC zeigt, unter welchen Bedingungen die Investmentnachfrage zurückkehren könnte.
Steigende US-Zinsen sprechen normalerweise gegen Edelmetalle. Doch beim Platin könnte ein anderer Faktor stärker ins Gewicht fallen: Erneute Sorgen über die Geldentwertung, die amerikanischen Staatsfinanzen und die Unabhängigkeit der Federal Reserve könnten die Investmentnachfrage beleben. Zu dieser Einschätzung kommt der World Platinum Investment Council (WPIC) in seiner aktuellen Ausgabe der "Platinum Perspectives".
Die beiden maßgeblichen Einflussfaktoren weisen derzeit in unterschiedliche Richtungen. Einerseits erhöhte die Fed ihren Leitzins am 16. September um 25 Basispunkte, um die durch höhere Ölpreise angefachte Inflation einzudämmen. Sollte der Preisauftrieb nicht nachlassen, hält der WPIC einen weiteren Zinsschritt im Dezember für möglich.
Höhere Zinsen sollten grundsätzlich den Dollar stärken und die Edelmetallpreise belasten. In der Praxis sei dieser Zusammenhang während des aktuellen Zyklus jedoch nur schwach ausgeprägt gewesen.
Wenn steigende Renditen zum Warnsignal werden
Auf der anderen Seite stehen der politische Druck auf die US-Notenbank, die angespannte Haushaltslage und der hohe Refinanzierungsbedarf der Vereinigten Staaten. Steigen die langfristigen Renditen wegen wachsender Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Geld- und Fiskalpolitik, während die kurzfristigen Zinsen vergleichsweise stabil bleiben, kann sich die übliche Beziehung zwischen Realrenditen und Edelmetallen auflösen.
Der WPIC spricht in diesem Zusammenhang von einem "Debasement Trade", also einer Wette auf eine schleichende Entwertung des Geldes. Ein solches Muster zeigte sich dem Bericht zufolge im April 2025: US-Staatsanleihen verloren an Wert, während der Dollar nachgab und der Goldpreis stieg.
Aktuell zeigen die untersuchten Indikatoren allerdings noch kein entsprechendes Umfeld an. Seit Juni sei der Anstieg der zehnjährigen Realrendite vor allem von den Erwartungen an die kurzfristigen Zinsen ausgegangen und nicht von einer höheren Laufzeitprämie. Die Edelmetallpreise hätten sich daher in der Summe weitgehend seitwärts bewegt.
Platin überholte zeitweise Gold
Wie stark Platin von einem erneuten Entwertungsszenario profitieren könnte, zeigte sich zwischen November 2025 und Januar 2026. In diesem Zeitraum entwickelte sich das Metall besser als Gold und verzeichnete hohe Zuflüsse in börsengehandelte Produkte.
Zur Investmentnachfrage kam seinerzeit eine außergewöhnliche Verknappung am Londoner Platinmarkt hinzu. Ein ähnliches Szenario zeichne sich nun wieder ab, so die Branchenexperten.
Überschuss könnte nahezu verschwinden
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der WPIC derzeit mit einem Platinüberschuss von 265.000 Unzen. Dieser ist unter anderem auf Abflüsse aus ETFs und Börsenbeständen in der ersten Jahreshälfte zurückzuführen. In der zweiten Jahreshälfte erwartet der Branchenverband dagegen wieder ein Angebotsdefizit.
Sollte die Investmentnachfrage ähnlich stark zurückkehren wie im vierten Quartal 2025, könnten die entsprechenden Zuflüsse den prognostizierten Jahresüberschuss nahezu vollständig aufzehren.
Der WPIC verweist zudem auf die Verwendung von Platin in der Wasserstoffwirtschaft, der Halbleiterproduktion und in Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Zugleich notiere das Metall weiterhin deutlich unter dem Goldpreis, obwohl Platin historisch zeitweise mit einem Aufschlag gehandelt wurde. (mb)













