Gold und Bitcoin im Fokus: Berenberg empfiehlt Portfolio ohne Anleihen
Berenberg stellt die klassische Vermögensaufteilung infrage – ohne Anleihen, dafür mit starkem Gewicht auf Gold, Rohstoffe und Bitcoin. Ein Strategieteam erläutert die Hintergründe und Risiken dieses Ansatzes.
Ein Bericht des US-Finanzportals "Marketwatch" sorgt für Aufmerksamkeit: Strategen der Privatbank Berenberg empfehlen eine ungewöhnliche Vermögensaufteilung – komplett ohne Anleihen.
Der Ansatz stammt von einem Team der Privatbank um die Aktienstrategen Jonathan Stubbs und Ash O'Malley. Im Zentrum steht dabei eine auffallend hohe Gewichtung von 45 Prozent in "Gold plus" – also Gold, Silber, andere Edelmetalle sowie Bitcoin. Weitere 20 Prozent entfallen auf Rohstoffe, während die restlichen 35 Prozent in Aktien investiert werden sollen.
Anleihen komplett außen vor
Berenberg verzichtet in diesem Modell vollständig auf Anleihen. Laut dem Bericht begründet Stubbs dies mit strukturellen Risiken: hohe Staatsverschuldung, eine mögliche Entwertung von Fiat-Währungen sowie die Gefahr dauerhaft höherer Inflation.
Seit dem Jahr 2020 setze man auf eine Kombination aus Aktien und Gold, da Edelmetalle aus Sicht der Strategen "ein deutlich besserer und geeigneterer Schutz als Anleihen“ seien.
Drei zentrale Makro-Themen
Die Strategie stützt sich auf drei übergeordnete makroökonomische Säulen:
- Geopolitische Spannungen, insbesondere zwischen den USA und China
- Fiskalische Dominanz und mögliche Währungsabwertung
- Ein "Höher für länger"-Umfeld bei Inflation, Zinsen und Rohstoffpreisen
Diese Faktoren führten zu einem eher schwachen, flachen Wachstumsausblick mit erhöhtem Risiko einer Stagflation, schreibt das Fachportal. Eine Rezession sei jedoch nicht das Basisszenario.
Fokus auf internationale Aktien
Vor diesem Hintergrund bevorzugt Berenberg internationale Aktien gegenüber US-Titeln. Diese Einschätzung werde durch die Erwartung eines schwächeren US-Dollar gestützt. Allerdings räumen die Strategen ein, dass die Märkte zuletzt stark gelaufen seien. Kurzfristig seien Aktien daher "schwer zu jagen".
Bei der Sektorwahl sieht Berenberg laut "Marketwatch" vor allem Versorger und Telekomunternehmen als robuste Gewinner "bei jedem Wetter". Gleichzeitig habe das Haus seine Rohstoffquote im laufenden Jahr weiter erhöht.
Als besonders aussichtsreiche Themen nennen die Strategen:
- Übergangsmetalle wie Nickel, Kobalt und Kupfer
- Künstliche Intelligenz
- Digitale Zahlungssysteme
Zudem empfehlen sie, in sogenannte "Hard Power"-Industrien investiert zu bleiben, um von staatlicher Unterstützung zu profitieren und Risiken durch KI-Veränderungen abzufedern.
"Trump'scher Paradigmenwechsel" als Risikofaktor
Gleichzeitig warnen die Strategen vor hoher Unsicherheit. Laut dem Bericht spricht Berenberg von einem "Trump’schen Paradigmenwechsel" ("Trumpian Paradigm Shift"), der die Märkte schwer berechenbar mache.
Als zentrale Risikofaktoren nennen sie die "Six Ps": Politics, Policy, Prices, Profit, People and Pandemic (Politik, Regulierung, Preise, Gewinne, Menschen und Pandemien). Darüber hinaus verweist Berenberg auf mögliche Extremereignisse wie Staatsverschuldungskrisen, Nahrungsmittelengpässe oder Währungskollaps. (mb)




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