Der Aufstieg passiver Anlagen und des Handels durch Privatanleger verändert die Regeln für die Alpha-Generierung grundlegend, meinen Laurene Azoulay und Hania Schmidt, die bei Goldman Sachs Asset Management (GSAM) das globale Client Portfolio Management für quantitative Investmentstrategien leiten. Datenbasierte Ansätze könnten die dadurch entstehenden Ineffizienzen nutzen: "Wir sind überzeugt, dass aktive, datenbasierte Manager gut positioniert sind, um die daraus entstehenden Marktverwerfungen zu nutzen."

Aktienmärkte werden komplexer
Passive Anlagen und der zunehmende Anteil von Privatanlegern prägen die Aktienmärkte nach Meinung der beiden GSAM-Expertinnen zunehmend. "Da sich die Entscheidungen dieser Anleger häufig nicht an klassischen Fundamentalkennzahlen orientieren, können Aktienkurse vom fundamentalen Wert der Unternehmen abweichen", erläutern sie. Und da diese Gruppen einen immer größeren Anteil am Handelsvolumen ausmachen, würden solche Preisverwerfungen zunehmen. Folge: "Die Märkte werden dadurch komplexer und weniger effizient."

Für Azoulay und Schmidt steht fest: "In einem Markt, der zunehmend von Kapitalströmen ohne direkten Bezug zur Bewertung einzelner Aktien geprägt ist, müssen aktive Anleger ihre Ansätze weiterentwickeln." Dafür stehen ihnen immer mehr unstrukturierte, für Aktien relevante Daten zur Verfügung. Ein datenbasierter Ansatz helfe, komplexe Marktdynamiken besser zu verstehen und technisch bedingte Preisverwerfungen gezielt zu nutzen.

Datenbasierte Alpha-Generierung
Um aus Preisverwerfungen infolge passiver Anlagen und des Handels von Privatanlegern Alpha zu erzielen, benötigen aktive Manager ihrer Überzeugung nach einen systematischen Ansatz. Dieser müsse die langfristigen Fundamentaldaten eines Unternehmens mit der Analyse kurzfristiger Marktbewegungen verbinden: "Entscheidend ist, zu verstehen, wie unterschiedliche Marktteilnehmer die Kurse beeinflussen und welchen Informationsgehalt ihr Verhalten besitzt. Auf dieser Grundlage können Manager kurzfristige Renditechancen erkennen und ihre Erkenntnisse diszipliniert im Portfolio umsetzen."

Die Expertinnen sind überzeugt: "Die Zukunft der Vermögensverwaltung gehört jenen Investoren, denen es gelingt, unterschiedliche Anlagehorizonte miteinander zu verbinden." Durch die Kombination einer aktiven Anlagephilosophie mit einem flexiblen Portfoliomanagement und technologischer Innovation können zukunftsorientierte systematische Manager ihrer Überzeugung nach kurzfristige Risiken und Chancen erfolgreich steuern, vorübergehende Preisverwerfungen nutzen und strukturelle Marktineffizienzen in eine Quelle beständigen, langfristigen Alphas verwandeln. (jh)