Goldman-Sachs-Chef David Solomon zeichnet eine düstere Prognose für die USA, berichtet das "Handelsblatt". Seiner Ansicht nach sei es besser, jetzt mehr Geld auszugeben, um die schweren wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern, "statt zuzulassen, dass sich die Lage weiter verschlechtert und es später noch teurer wird", erklärte er bei einer Online-Veranstaltung des renommierten Economic Club in New York. "Wir werden schlechtere Wirtschaftsdaten sehen. Ich denke, uns stehen sehr holprige Zeiten bevor."

Hauptschuld daran trage die Coronakrise. Einige Bundesstaaten haben in den vergangenen Wochen die Lockerungen ihrer Wirtschaft aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr wieder zurückgenommen. Die US-Wirtschaft, die noch zu Jahresbeginn den stärksten Arbeitsmarkt in über 50 Jahren verzeichnete, ist stark eingebrochen. Solomon geht von einer "sehr sehr hohen Arbeitslosigkeit für eine lange Zeit" aus. Speziell die Dienstleistungsindustrie werde nachhaltig geschädigt sein – auch nachdem es einen Impfstoff gebe.

Hohe Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite
Solomons Aussagen sind auch als Kritik am Krisenmanagement von Donald Trump zu verstehen – auch wenn der Goldman-Chef den US-Präsidenten nicht namentlich erwähnte. Die großen Wall-Street-Banken veröffentlichten in der Vorwoche ihre Quartalszahlen. Das Geschäft mit dem Wertpapierhandel lief zwar außerordentlich gut, doch alle großen Geldhäuser bildeten erneut hohe Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite – gleichermaßen bei Privatpersonen und Unternehmen.

Und schließlich bereitet noch ein weiterer Punkt dem Goldman-Sachs-Chef Kopfzerbrechen: die tiefe gesellschaftliche Spaltung der USA. "Historisch gesehen rückt das Land zusammen in schweren Krisen. Dass das nun nicht passiert, ist sehr beunruhigend." (mb)