Eine Umfrage unter den Teilnehmern der soeben abgehaltenen globalen Goldman-Sachs-Strategiekonferenz brachte ein eindeutiges Ergebnis: 74 Prozent der befragten Kunden glauben, dass Value dieses Jahr besser performt als Growth. Dies "wäre eine bemerkenswerte Wendung in einer der langwierigsten Besonderheiten der Zeit nach der Finanzkrise", schreiben die Goldman-Sachs-Experten in einer Präsentation.
 
Bei Value suchen Investoren gezielt nach günstig bewerteten Aktien, denen langfristig eine bessere Wertentwicklung als dem Markt bevorsteht (sogenannte "Zykliker"). Global betrachtet hatte diese Strategie (mit Schwankungen) in den vergangenen Jahrzehnten stets die Nase vorn – etwa abzulesen am MSCI Value verglichen mit dem MSCI Growth. Mit der Subprime-Krise wurde das Dogma aber umgestoßen. Value sorgte für Underperformance und Enttäuschungen. Einer der Gründe ist der Verfall der Anleihenrenditen: Die Investoren suchten Ersatz für sichere regelmäßige Einnahmen und setzten eher auf defensive Werte (Growth), die typischerweise stabilere Geschäftsmodelle oder planbarere Einnahmen als Zykliker aufweisen.  

Zehn Gründe
Die Analysten von Goldman Sachs betrachten nun eine Wende hin zu Value ebenfalls als "wahrscheinlich" und nennen dafür zehn Gründe: Eine bessere Handhabung der Pandemie und Impfungen, ein stärkeres BIP-Wachstum, Wiedereinsetzen des Konsums bei gleichzeitig hohen Sparquoten, weiter konsumfreundliche Marktgegebenheiten (QE, Zinssätze an der Nullgrenze oder darunter), Unterstützende Finanzpolitik (Coronavirus-Pakete, EU Green Deal, US-amerikanische "Blaue Welle"), Anziehen der Inflation (aber keine Erhöhung vor 2025 in Europa und 2024 in den USA), steilere Zinskurven, höhere Rohstoffpreise, positiv revidierte Ergebniserwartungen und schlussendlich ein extremer Abschlag von Value- gegenüber Growth-Aktien. (eml)