Unternehmen, die mit der Förderung und Verarbeitung von Gold zu tun haben, weisen qua Geschäftstätigkeit hohe Nachhaltigkeitsrisiken auf, warnt Joe Foster, Gold-Stratege bei Van Eck. "In der Vergangenheit leisteten Geschäftsleitungen von Unternehmen schlechte Arbeit, wenn es darum ging, die Öffentlichkeit über die Aktivitäten und Ergebnisse rund um ESG zu informieren", kritisiert er. Die gute Nachricht: Das ändert sich allmählich. In Berichten, Geschäftssitzungen und Telefonaten mit Investoren nehmen ESG-Themen inzwischen den gleichen Stellenwert ein wie das operative Geschäft und die Finanzen, berichtet Foster.

Nach Einschätzung des Van-Eck-Experten gehört es zu den größten Herausforderungen von Bergbauunternehmen, ihren CO2-Ausstoß zu senken. Das Pariser Abkommen sieht bis zum Jahr 2050 eine Netto-Null-Emission von Treibhausgasen vor. Zwar haben sich mehrere große Minengesellschaften diesbezüglich bereits Ziele gesetzt. Diesen Zielen mangele es aber an Details, sagt Foster. Die Welle der ESG-Investitionen rollt seiner Erfahrung nach so rasant, dass die meisten Schwerindustrien – wie auch der Bergbau – noch keine klare Vorstellung davon haben, was mit Netto-Null-Emissionen gemeint ist. "Es handelt sich also um ein noch laufendes Projekt", erklärt der Gold-Spezialist.

Minen schalten auf Solarbetrieb um
Immerhin: Die Bergbaubranche unternimmt wachsende Anstrengungen, um grüner zu werden und ESG-Risiken für Investoren zu reduzieren. Einige Unternehmen planten, Solaranlagen zu installieren und durch mehr Automatisierung und den Einsatz von Big Data energieeffizienter zu werden, berichtet Foster. Auch das Schließen oder Schrumpfen besonders schmutziger Minen sei in der Diskussion, ebenso der Einsatz elektrischer Gerätschaften statt solcher, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Die Emissionen ließen sich damit bis 2030 um gut ein Drittel senken.

Komplett auf eigene Faust dürften Bergbaugesellschaften das Ziel der Emissionsneutralität indes nicht erreichen können. Laut einer vom World Gold Council veröffentlichten Studie über 31 große Goldminen entfallen rund 95 Prozent der Treibhausgas-Emissionen auf zugekauften Strom oder die Verbrennung von Kraftstoffen. "Das bedeutet, dass die Minen stark von den Energieversorgern und Lieferanten ihrer Ausrüstung abhängig sein werden, um ihre ESG-Ziele zu erreichen", konstatiert Foster. (fp)