"Die geldpolitischen Zügel werden straffer gezogen und die lange Zeit der ultra-expansiven Geldpolitik scheint passé", schreibt Aaron Alber, Analyst bei der Raiffeisen Bank International (RBI) in Wien, in einem Marktkommentar. Das unterschiedliche Tempo bei der Straffung zwischen US-Notenbank und Europäischer Zentralbank (EZB) erkläre die bessere Wertentwicklung von Gold in Euro gegenüber Gold in US-Dollar. Gold wird in Dollar gehandelt, die US-Währung gewann gegenüber dem Euro massiv an Wert – während der Goldpreis in Dollar auf Zwölfmonatssicht sank, legte der Goldpreis in Euro in diesem Zeitraum aufgrund des Wechselkurseffektes zu.

"Wegen der anhaltenden geopolitischen Spannungen sehen wir den Goldpreis auf dem aktuellen Niveau gut unterstützt", meint Alber. Aufgrund der negativen Korrelation zu risikoreicheren Anlagen wie Aktien eigne sich Gold gut zur Portfoliobeimischung, um in turbulenten Zeiten die Volatilität zu verringern. Insofern empfehle sich vor allem für Anleger mit pessimistischer Sicht auf den Ukraine-Krieg, die von einer weiteren Zuspitzung der Energiekrise ausgingen, eine überdurchschnittliche Gold-Quote. Dies gelte umso mehr, sollte es den Notenbanken nicht gelingen, die Inflation in den Griff zu bekommen, sollte es die EZB nicht schaffen, einer Fragmentierung in der Eurozone entgegenzuwirken, sowie im Stagflationsszenario.

Prognosen für Gold und Wechselkurs
"Wir gehen davon aus, dass sich Gold in Dollar nach einer flachen Entwicklung 2022 ab dem nächsten Jahr wieder sukzessive nach oben bewegen wird", so Alber weiter. Dafür sprächen nachlassende Zinsängste respektive Zinsfantasien und eine mögliche konjunkturelle Abschwächung der bisher robusten US-Konjunktur. Beim Goldpreis in Euro verweist er allerdings auf die mittel- bis langfristig erwartete Aufwertung der Gemeinschaftswährung, die das Aufwärtspotenzial begrenzt.

Am Mittwochnachmittag kostete die Feinunze Gold gut 1.700 Dollar. Die RBI-Analysten sehen den Preis des Edelmetalls Ende 2022 bei 1.750 Dollar und Mitte 2023 bei 1.850 Dollar. Der Euro sollte nach ihrer Prognose in den kommenden Monaten an Wert gewinnen: Für Ende 2022 erwartet die RBI einen Kurs von 1,02 Dollar je Euro, was in etwa dem aktuellen Niveau entspricht, Mitte 2023 sehen die Analysten den Kurs bei 1,10 Dollar je Euro. Der Wechselkurseffekt schlägt sich in der Prognose des Goldpreises in Euro nieder, der aktuell bei 1.670 Euro steht: Ende dieses Jahres erwarten die Experten einen Preis von 1.716 Euro – Mitte 2023 einen Preis von 1.682 Euro. (ohm)