Bis zum Jahr 2050 will die Europäische Union klimaneutral werden. Gottfried Urban von Urban & Kollegen Vermögensmanagement prophezeit im Zuge dessen eine wahre "Öko-Geldschwemme", eine "grüne Inflation". Ohne die Privatwirtschaft mit hohen Subventionen zu unterstützen, dürfe den EU-Staaten der Umbau nämlich kaum gelingen, argumentiert Urban. "Das Gesamtvolumen wird höhere Dimensionen annehmen, als die Fördergelder und Abschreibungen für den Wiederaufbau Ost hatten", prophezeit er.

Hohe Subventionen für nachhaltige Wirtschaftszweige könnten eine Vermögenspreisinflation bei "grünen" Aktien auslösen. "Aller Voraussicht nach sind zur Kapitalbeschaffung auch etliche Börsengänge in den entsprechenden Segmenten zu erwarten", prognostiziert Urban. Die Nachfrage nach Öko-Anlageprodukten dürfte parallel zur Angebotsausweitung weiter steigen, teils staatlich gelenkt. Dadurch könnten im laufenden Jahrzehnt "grüne" Preisblasen entstehen, warnt Urban. Er erinnert an den staatlich unterstützten Aktienhype im Zusammenhang mit der Privatisierung der Deutschen Telekom Ende der 1990er Jahre.

Kollateralschaden: Fehlanreize
Grundlage für den geplanten Wandel der Wirtschaft ist der "Green Deal" der EU. Die Finanzierung des Wirtschaftsumbaus wird durch indirekte Zusagen der Europäischen Zentralbank (EZB) abgesichert. "Eigentlich keine Aufgabe der Notenbank, die sich nicht in die Politik einmischen sollte", kommentiert Urban. "Aber die klimapolitischen Herausforderung wäre anders nicht zu meistern." Weil sich Notenbanken und Staaten massiv einmischen dürften, müssen Anleger allerdings damit rechnen, dass es in den kommenden Jahren auch zu Fehlanreizen bei Investitionen kommen kann, warnt der Vermögensprofi. (fp)