Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat sich bereit erklärt, die Verantwortung für die Folgen der Ablehnung eines unfairen Abkommens mit den Gläubigern zu übernehmen. Die Reaktionen von Vertretern der Niederlande, Portugals und Deutschlands deuten darauf hin, dass die Gläubiger seine Äußerungen ernst nehmen. Sie richteten sich auf einen Zusammenbruch der Gespräche ein, hieß es.

Im Fall einer praktikablen Lösung "wird die kürzlich vom griechischen Volk gewählte Regierung die Kosten der Umsetzung tragen", sagte Tsipras am Mittwoch vor Reportern. Ohne eine solche Lösung "werden wir die Verantwortung dafür übernehmen, das ’große Nein’ auszusprechen zu einer Fortsetzung der katastrophalen Politik."

Die Finanzminister des Euroraums tagen heute in Luxemburg. Die Sitzung gilt als letzte Chance für eine Einigung über die Auszahlung von Hilfsmitteln in Höhe von bis zu 7,2 Milliarden Euro.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte in einer Ausschusssitzung des Bundestages am Mittwoch, die Bundesregierung sei auf die Folgen vorbereitet, wenn das Rettungsprogramm für Griechenland ohne Einigung oder Verlängerung ausläuft.

"Eine Einigung mit unseren Partnern abzuschließen ist ein historisches Gebot, das zu ignorieren wir uns nicht leisten können", schrieb der Gouverneur der griechischen Notenbank, Yannis Stournaras, in einem Jahresbericht zur Geldpolitik. Das Scheitern würde "den Beginn eines schmerzlichen Wegs markieren, der zunächst zu einem Zahlungsausfall Griechenlands und letztlich zum Ausscheiden des Landes aus dem Euroraum und wahrscheinlich auch aus der Europäischen Union führen würde".

Parlamentspräsidentin Zoi Konstantopoulou verweigerte die Annahme des Berichts der Notenbank. Stattdessen veröffentlichte die der Syriza angehörige Konstantopoulou gleichzeitig mit dem Bericht der Notenbank die vorläufige Fassung eines von ihr eingesetzten "Ausschusses zur Wahrheit über die Schulden". Der Bericht spricht sich gegen die Rückzahlung der "anrüchigen" Schulden aus.

Angesichts der geringen Erwartungen an die Tagung der Eurogruppe richtet sich die Aufmerksamkeit bereits auf das Gipfeltreffen der Europäischen Union am 25. und 26. Juni in Brüssel.

Die am Mittwoch vom EZB-Rat beschlossene Aufstockung der Notfallliquiditätshilfe für griechische Banken um 1,1 Milliarden Euro auf jetzt 84,1 Milliarden Euro "reicht nicht aus und deckt kaum die Mittelabflüsse der letzten drei Tage von griechischen Banken", sagte Nicholas Economides, Wirtschaftsprofessor an der Stern School of Business der Universität New York. "Im Vorfeld der Verhandlungen bei der Tagung der Eurogruppe am Donnerstag hält die EZB das blanke Griechenland an einer sehr kurzen Leine." (mb/Bloomberg)