Endlich gute Nachrichten an der Corona-Front: Nach dem Markteinbruch im März befinden sich die Leitbörsen mittlerweile auf dem besten Weg zu alten Höchstständen. Torsten Reidel, Geschäftsführer des Anlagehauses Grüner Fisher Investments, ist optimistisch, dass die Erholung von Dauer ist und die Kurse trotz aller Unsicherheiten und der Angst vor einer zweiten Infektionswelle bis auf Weiteres steigen: "Sicher ist, dass wir uns in einem Bullenmarkt befinden", sagt er. 

Covid-19 hat den längsten globalen Aufwärtstrend der Geschichte unterbrochen, jetzt treibt ihn die Hoffnung der Anleger auf eine rasche Wirtschaftserholung erneut an – auch dank rekordhoher fiskalischer und geldpolitischer Hilfen. Zugegeben: Die Aktienkurse sind der Realwirtschaft davongeeilt. Das bedeutet indes nicht zwingend, dass Anleger irrational handeln. Aktienmärkte sind der Konjunktur immer einen Schritt voraus, erklärt der Vermögensprofi. Gerade die aktuelle Diskrepanz zwischen Wirtschaftsdaten und Aktienkursen interpretiert er als ein Zeichen für einen neuen Bullenmarkt.

Aus der Geschichte lernen
Für die derzeitige Marktentwicklung gibt es laut Reidel einen Präzedenzfall: den 9. März 2009. An diesem Tag erreichte die letzte Baisse ihren ultimativen Tiefpunkt. Während Schlagzeilen den globalen Niedergang der Wirtschaft verkündeten, erkannten Experten, dass sich der Aktienmarkt zu diesem Zeitpunkt längst von den Wirtschaftsdaten abgekoppelt hatte, damals im negativen Sinne. Der längste Bullenmarkt aller Zeiten stand kurz bevor. Für Reidel ist klar: "Aktienmärkte preisen die Zukunft ein, und das mit einer Weitsicht, die Daten lange vorausgeht."

Anleger lösen sich derzeit von ihrer kurzfristigen, von Sorge geprägten Sicht der vergangenen Monate. Darum ist es jetzt nicht empfehlenswert, sich in flüchtige Zahlenspiele zu verstricken, mahnt der Grüner-Fisher-Experte. Er ist überzeugt: Während Anleger in den vergangenen Monaten mit vielen Fragezeichen umgehen mussten, dürfen sie jetzt unbeirrt vorwärts preschen. (fp)