Nach zähen Verhandlungen haben sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder auf den mehrjährigen Finanzrahmen des EU-Haushalts geeinigt. Damit stehen der EU von 2021 bis 2027 Mittel von mehr als 1.074 Milliarden Euro zur Verfügung. Zusätzlich haben die Regierungen ein "Corona-Hilfspaket" in Höhe von 750 Milliarden Euro geschnürt. Viel Geld – das aber nüchtern betrachtet eigentlich gar nicht nötig ist, um der Rezession Herr zu werden. Davon sind zumindest die Experten von Grüner Fisher Investments überzeugt. "Insbesondere haben Aktienmärkte noch nie einen externen Retter gebraucht", schreiben sie in einem Marktkommentar.

Für eine wirtschaftliche Erholung nach der Covid-19-Pandemie reiche es aus, den behutsamen Wiedereröffnungsprozess fortzusetzen. Doch in einem frühen Bullenmarkt wollen viele kritische Anleger Aussagen wie diese nicht hören und suchen lieber fieberhaft nach schlechten Nachrichten, beobachten die Experten. So bemängeln die Kritiker, dass das Hilfspaket "zu spät" erfolgen würde und generell "zu wenig" sei.

Märkte schauen in die Zukunft
Bis das Bruttoinlandsprodukt in Europa wieder Vorkrisenniveau erreicht, dürfte es noch dauern. Märkte seien aber zum Glück nicht auf unmittelbare Wirkungen angewiesen, sie "schauen drei bis 30 Monate in die Zukunft", so die Experten. Deshalb bleibe es ein Irrglaube, dass externe Hilfspakete nötig seien, um Rezessionen zu überwinden. Das würden auch die Erfahrungen aus der Rezession während der Eurokrise von 2011 bis 2013 zeigen: Die offizielle Erholung setzte im Jahr 2013 ein, während viele EU-Staaten Ausgaben kürzten und Steuern erhöhten – das Gegenteil von stimulierenden Maßnahmen. (fp)