Gundlach: "US-Aktienmarkt gehört zu den schlechtesten meiner Karriere"
Riskante Kreditvergabe, überzogene Bewertungen und spekulative Exzesse: Jeffrey Gundlach sieht die Finanzmärkte in gefährlichem Terrain. Der "Bond-Titan" empfiehlt eine hohe Cashquote – und hält den privaten Kreditmarkt für den möglichen Auslöser der nächsten Krise.
Jeffrey Gundlach setzt in einem Umfeld, das aus seiner Sicht von minderwertiger Kreditvergabe und überhöhten Bewertungen geprägt ist, auf eine einfache Strategie: hohe Cashbestände und Abstand zu privaten Kreditmärkten. Der bekannte Anleiheinvestor sieht überteuerte Assets nahezu überall.
Im Podcast "Odd Lots" sprach Gundlach von "schwindelerregenden Bewertungen" am Aktienmarkt – und warnte vor "extrem spekulativen" Positionierungen.
20 Prozent Cash als Absicherung
Der Gründer von Doubleline Capital empfiehlt eine Cashquote von 20 Prozent, um sich gegen einen möglichen Markteinbruch abzusichern – einen Einbruch, den er aufgrund riskanter Kredite an private Unternehmen und überzogener Erwartungen an künstliche Intelligenz kommen sieht.
"Die Gesundheit des Aktienmarktes in den Vereinigten Staaten gehört zu den schlechtesten meiner gesamten Karriere", sagte Gundlach. "Der Markt ist unglaublich spekulativ – und spekulative Märkte erreichen immer extrem hohe Niveaus. Das passiert jedes Mal."
"Nächste große Krise wird Private Credit sein"
Gundlach warnt, dass der private Kreditmarkt im Volumen von 1,7 Billionen US-Dollar durch riskante Kreditvergabe die nächste große Krise auslösen könnte. Die Pleiten des Autokreditgebers Tricolor Holdings und des Autozulieferers First Brands Group untermauerten diese Sorge.
"Die nächste große Krise an den Finanzmärkten wird Private Credit sein", sagte er. "Es weist dieselben Muster auf wie Subprime-Verbriefungen im Jahr 2006."
Spekulation rund um KI und Rechenzentren nimmt zu
Die deutlichsten Exzesse erkennt Gundlach bei Wetten auf KI und Rechenzentren. An der Wall Street wächst die Skepsis gegenüber den enormen Investitionen in Infrastruktur und den hohen Bewertungen im Zentrum des KI-Booms.
"Man muss sehr vorsichtig mit Momentum-Investing in Phasen von Marktmanien sein – und ich habe das Gefühl, dass wir genau dort sind", sagte er.
"Bei Private Credit gibt es nur zwei Preise – 100 oder null"
In der Branche wird mittlerweile um die Verantwortung für die Finanzierung von Tricolor und First Brands gestritten. Banken verweisen auf private Manager, die Lieferketten- und Lagerfinanzierungen bereitstellen. Der Fall gilt laut Beobachtern nicht mehr als isoliert. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon sagte jüngst, es gebe nie nur ein Problem – wenn ein Fall auftrete, folgten oft weitere.
Gundlach zog zudem Parallelen zu überbewerteten "AAA"-Ratings von Subprime-Hypotheken vor der Finanzkrise und warnte, dass manche privaten Kreditmanager den Wert ihrer Kredite zu optimistisch einschätzen könnten. "Bei Private Credit gibt es nur zwei Preise – 100 oder null", sagte er. "Es wirkt sicher, weil man theoretisch jederzeit verkaufen kann. Aber sicher ist es nicht, denn der Verkaufspreis kann Tag für Tag weiter fallen."
Die Öffnung des Marktes für Privatanleger hat laut Gundlach ein "perfektes Missverhältnis" geschaffen: Liquidität werde versprochen, während die zugrunde liegenden Assets kaum liquidierbar seien. Komme es zu Rückgaben, drohten Verlustspiralen.
Wenig attraktive Alternativen
Gundlach sieht jedoch keine offensichtlichen Möglichkeiten, direkt von seiner pessimistischen Einschätzung zu profitieren. High-Yield-Bonds wolle er nicht short gehen – dieses Geschäft verliere "dauerhaft Geld". Selbst bei Gold ist er vorsichtiger geworden: Statt zuvor 25 Prozent empfiehlt er nun eine 15-prozentige Allokation als Teil eines diversifizierten Portfolios.
"Finanzielle Vermögenswerte insgesamt sollten eine geringere Gewichtung haben als üblich", sagte er. "Probleme entstehen immer dann, wenn Anleger Dinge kaufen, die ihnen als sicher verkauft werden – die aber nicht sicher sind." (mb/Bloomberg)















