Die Immobilienpreise in Deutschland steigen und steigen. Obwohl Studien angehende Hausbesitzer ermahnen, ortsabhängig besser genau nachzurechnen, bevor sie ihren Mietvertrag vielleicht vorschnell kündigen, wenden Eigenheimer in spe bereitwillig immer höhere Summen auf, um sich ihren Herzenswunsch endlich zu erfüllen. Das zeigt der neue "Trendindikator Baufinanzierung" des Immobilienfinanzierers Dr. Klein.

Darlehensnehmer und - nehmerinnen liehen sich demnach im April im Durchschnitt 303.000 Euro von der Bank. Zu Beginn des Jahres lag der Wert mit 304.000 Euro sogar etwas höher, aber ein genereller Aufwärtstrend ist laut Michael Neumann nicht von der Hand zu weisen: "Weil ein Rückgang der Immobilienpreise nicht abzusehen ist, ist auch ein Rückgang der Darlehenshöhen bis auf Weiteres unwahrscheinlich", kommentiert der Vorstandsvorsitzende von Dr. Klein.

Auf den ersten Blick muten die aktuellen Beträge abenteuerlich an: Vor zehn Jahren liehen sich Bankkunden im Schnitt gerade einmal 145.000 Euro, um ihr Traumhaus zu finanzieren. Vor fünf Jahren waren es 193.000 Euro.

Ob sich künftige Hausbesitzer ihren teils auf Pump finanzierten Erwerb über die Zeit gerechnet werden leisten können, ist anhand von Absolutbeträgen allerdings nicht zu beurteilen. Denn real gerechnet sind die Konditionen für Baufinanzierungen im Vergleich zu zu 2011 oder 2016 sehr viel günstiger geworden. So beträgt die errechnete Monatsrate für einen 150.000-Euro-Kredit mit zehnjähriger Zinsbindung, zwei Prozent Tilgung und 80 Prozent Beleihungsauslauf im April 2021 laut Ermittlung von Dr. Klein exakt 394 Euro. Sie liegt damit zwar über der errechneten Standardrate von 368 Euro zu Beginn des Jahres, ist aber trotzdem so niedrig wie nie zuvor. Im April 2011 wurde für einen solchen Kredit eine monatliche Rate von 803 Euro fällig, und fünf Jahre zuvor waren es immerhin noch 454 Euro.

Interesse an Anschlussfinanzierungen nimmt leicht ab
Nach wie vor streben Kreditnehmer nach Sicherheit. Auch wenn die Zinsbindung im Vergleich zu den Vormonaten zuletzt leicht rückläufig war, sichern sich die Deutschen ihre Zinsen mit 13 Jahren und zwei Monaten für einen relativ langen Zeitraum, sagt Immobilienexperte Neumann. Für Immobilienbesitzer in spe, die auf Nummer sicher gehen wollen, bieten sich sogenannte Forward-Darlehen an: "Wer das Risiko steigender Zinsen ausschließen will und nicht kontinuierlich die Zinsentwicklung verfolgen möchte, hat zurzeit günstige Rahmenbedingungen für eine Forward-Finanzierung", erklärt Neumann. 

Trotz der nach wie vor tiefen Zinsen hat der Anteil an Anschlussfinanzierungen am gesamten Immobilienkreditbereich im April leicht abgenommen. Das könnte Neumann zufolge daran liegen, dass Darlehensnehmer derzeit relativ entspannt auf die weitere Zinsentwicklung blicken. Das zeigt sich insbesondere "in dem stabilen Anteil von Annuitätendarlehen, die je nach Bank bis zu zwölf Monate im Voraus ohne Bereitstellungszins angeboten werden", sagt Neumann. Im April nahm der Anteil an Annuitätendarlehen im Vergleich zum Vormonat leicht zu und liegt jetzt bei 82,6 Prozent. (fp/ps)