Hendrik Leber gilt als Aktienmann, doch sein Unternehmen Acatis hat auch mit Blick auf Mischfonds einiges zu bieten. Am bekanntesten ist der Acatis Gané Value Event, der seit seiner Auflage vor knapp fünf Jahren solide Ergebnisse liefert und inzwischen fast 800 Millionen Euro verwaltet. Doch auch die anderen gemischten Portfolios von Acatis schneiden meist sehr ordentlich ab. Leber verrät gegenüber FONDS professionell ONLINE, in welchen Ländern und Branchen er derzeit vielversprechende Aktien und Anleihen findet und wo die größten Risiken lauern.

Lebers Markteinschätzung ist Teil einer kleinen Serie, für die FONDS professionell ONLINE bekannte Manager vermögensverwaltender Mischfonds nach ihrem aktuellen Ausblick befragt hat. Bereits erschienen sind Interviews mit Peter E. Huber von Starcapital und Didier Saint-Georges von Carmignac Gestion, in den Wochen bis zum Jahreswechsel veröffentlichen wir in loser Reihe weitere Folgen.

Dax und Dow markieren ein Hoch nach dem anderen. Sind Aktien schon zu teuer geworden oder nach wie vor attraktiv? Stocken Sie Ihre Aktienquote derzeit eher auf oder bauen Sie Positionen ab?

Hendrik Leber: Wir sind derzeit voll investiert und bleiben bullish für die Aktien. Gemäß konventionellen Bewertungsmodellen sind Aktien zwar fair bewertet. Wenn man aber das niedrige Zinsniveau in die Bewertung mit einbezieht, so sind Aktien relativ zu ihren Anlagealternativen wie Renten oder Immobilien recht attraktiv.

In welche Regionen oder Branchen sind gerade die attraktivsten Aktien zu finden? Wo halten Sie sich dagegen eher zurück – und warum?

Leber: Unverändert mögen wir Europa, speziell Nordeuropa, die USA und neuerdings auch wieder Indien. Wir mögen die IT-Branche, den Gesundheitssektor, die Rückversicherungen und teilweise den Energiesektor.

In diesem Jahr ist das Renditeniveau an den Kapitalmärkten deutlich gestiegen. Wird 2013 als Jahr der Zinswende in die Geschichte eingehen? Oder bleiben die Zinsen bis auf Weiteres niedrig?

Leber: Zinsen werden sicher noch ein ganzes Jahrzehnt günstig bleiben. Jedes Mal, wenn eine wirtschaftliche Schwächung droht, wird die Geldpolitik wieder gelockert. In der Abwägung zwischen Wählerstimmen und Konjunktur einerseits und vernünftiger Geldpolitik andererseits werden sich die Zentralbanker für die Wählerstimmen entscheiden.

In welchen Nischen des Anleihemarktes wittern Sie die größten Chancen?

Leber: Im Bereich der Unternehmensanleihen gibt es immer noch vereinzelt attraktive Gelegenheiten. Der Bereich der nachrangigen Bankfinanzierungen ist inzwischen sehr deutlich gestiegen, bietet aber noch moderate Chancen.

Der Goldpreis hat in den vergangenen Monaten deutlich nachgegeben. War das eine Blase, aus der die Luft entwichen ist? Oder bieten die niedrigen Kurse Einstiegschancen?

Leber: Ich bin nicht in der Lage, den Goldpreis zu kommentieren.

Wo lauern in den kommenden Monaten die größten Risiken? Wie schützen Sie Ihr Portfolio davor?

Leber: Risiken sind überall – ob in China (Immobilien- und Kreditblase), ob auf den Senkaku-Inseln (imperialistisches Gedonnere der Chinesen), ob in Japan (überschuldeter Staat), ob in Südeuropa (nicht-wettbewerbsfähige Wirtschaft), ob in Deutschland (Rückwärtsgang bei Reformen) oder den USA (schuldengetriebenes Wachstum), ob in der Wirtschaft oder in der physischen Realität (Vogelgrippe, Vulkane, Taifune) – also irgendetwas passiert etwa alle zwei Jahre. (bm)