Bislang galt die Schwedische Reichsbank beziehungsweise ihr 1668 gegründetes Vorgängerinstitut Riksens Ständers Bank als erste Notenbank der Welt. Doch nun hegt Ulrich Bindseil, ein historisch interessierter Topökonom der Europäischen Zentralbank, in seinem Buch "Central Banking before 1800 – A Rehabilitation" Zweifel daran, wie die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet.

Laut Bindseil gab es bereits vor der Gründung der Schwedischen Reichsbank etwa zehn Kreditinstitute, welche die Hauptmerkmale einer Zentralbank erfüllten: Die Herausgabe von Zentralbankgeld (anfangs meist Giralgeld), das Bestehen eines spezifischen gesetzlichen Mandats sowie eine einzigartige rechtliche Stellung in ihrer Jurisdiktion. Das Mandat war aber kein "geldpolitisches" im heutigen Sinn, sondern hatte typischerweise etwas mit der Bereitstellung eines effizienten und ausreichend verfügbaren Zahlungsmittels zur Förderung des Handels zu tun. Die Stabilität der Kaufkraft von Zentralbankgeld folgte im Prinzip aus dem Konvertibilitätsversprechen in Gold- oder Silbermünzen.

Als erste Zentralbank kann man nach Ansicht von Bindseil die Taula de Canvi aus Barcelona (Jahr 1401) ansehen sowie die Casa di San Giorgio aus Genua (1407). Im 16. und 17. Jahrhundert kamen weitere Zentralbanken hinzu, beispielsweise 1619 die Hamburger Bank, die in diesem Jahr ihr 400-jähriges Jubiläum feiern würde. Sie hatte etwa von 1650 bis 1770 eine erstaunlich stabile Bilanz mit im Durchschnitt etwa 60 Prozent Edelmetall sowie darüber hinaus mit Lombard-Krediten und Forderungen an die Stadt. Basierend auf verschiedenen Kriterien erfüllt laut Bindseil aus heutiger Sicht die Hamburger Bank am besten alle Kriterien, um als erste "richtige" Zentralbank gelten zu können. Allerdings gesteht er ein, dass die Bank of England als Bank des British Empire von 1700 bis 1870 nach Bilanzsumme, Metallreserve oder Geldemission die mit Abstand größte Zentralbank war. (mb)