Wie und vor allem wo arbeiten wir nach Covid-19? Die Frage beschäftigt nicht zuletzt die Personalprofis bei Fondsgesellschaften und Vermögensverwaltern seit Monaten. Angesichts des absehbaren Endes der Lockdowns in Großbritannien erwägt nun die Deutsche Bank beispielsweise, britische Mitarbeiter ein bis drei Tage pro Woche von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Der Asset Manager Standard Life Aberdeen geht davon aus, dass seine Beschäftigten auch in Zukunft ähnlich viel Zeit zu Hause verbringen werden wie jetzt und ist deshalb dabei, die Büros umzugestalten, um diesen Anforderungen gerecht zu werden, wie die Fondsgesellschaft gegenüber Bloomberg äußert.

Einzelfälle? Keineswegs: Die Verschiebung hin zu einer permanenten Arbeitsplatzaufteilung wurde diese Woche von IWG, dem weltweit größten Vermieter von flexiblen Büros, näher quantifiziert. Hybrides Arbeiten habe einen Boom in großen Unternehmen ausgelöst, die einen flexibleren Zugang zu den 3.300 Standorten des Büroanbieters suchten.

Ständige Rückkehr als Ausnahmefall?
Mitarbeiter zu verpflichten, an fünf Tagen in der Woche ins "Normal-Office" zurückzukehren, “fühlt sich für mich ein bisschen wie eine verschenkte Chance an”, sagt Tiina Lee, Chief Executive Officer der Deutschen Bank in Großbritannien, in einem Bloomberg-TV-Interview. Das Feedback der Mitarbeiter zeige, dass sie mindestens ein bis drei Tage pro Woche von zu Hause aus arbeiten wollen, und “das ist etwas, das wir untersuchen wollen.” Lee sagte auch, dass die Deutsche Bank ihre Richtlinien für das Arbeiten von zu Hause aus je nach Funktion differenzieren wird und deutete bereits an, dass Händler möglicherweise weniger Tage von zu Hause aus arbeiten können als andere Mitarbeiter. Deutschlands führendes Kreditinstitut diskutiert seit Monaten über eine neue Richtlinien für die Telearbeit, um die Immobilienkosten zu senken und sich gleichzeitig an veränderte Einstellungen der Mitarbeiter anzupassen. 

Standard Life Aberdeen hat seinen Hauptsitz in London einer “extremen Umgestaltung” unterzogen und auch den Hauptsitz in Edinburgh umgebaut, sagte Chief Executive Stephen Bird in einem Telefonat mit Bloomber-Reportern. “Wir haben es für hybrides Arbeiten umkonfiguriert. Nach einer so langen Zeit des Arbeitens von zu Hause aus müssen wir unsere Mitarbeiter wieder in die Büros locken, aber nicht auf Vollzeitbasis.” Das Unternehmen hat seinen Fokus auf Großraumbüros verlagert, in denen es mehr Besprechungsbereiche für Brainstorming geben wird, so Bird. (aa)