Viele Börsianer sehen derzeit mit verhaltender Sorge Richtung Ukraine. "Die Krim-Krise wird in ihren langfristigen Folgen unterschätzt", sagt HPM-Fondsmanager Stefan Riße. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung und das Ausmaß der Krise sei schlecht für die Börse. "Sie wird bei dem aktuell immer noch sehr hohen Optimismus jede auch noch so kleine Nachricht als Anlass nehmen, wieder den Rückwärtsgang einzulegen", sagt Riße. "Ein positives Börsenumfeld für langfristig orientierte Anleger sieht anders aus."

Weiterer Negativfaktor seien die seit Herbst 2012 wieder anziehenden Zinsen in den USA am langen Ende. Seit Juni 2013 habe sich dieser Trend noch einmal beschleunigt. Und auch ohne Leitzinserhöhungen würden durch die Fortsetzung des Taperings in den kommenden Monaten die Langfristrenditen weiter steigen. "Anziehende Renditen für Staatsanleihen haben in der Vergangenheit meistens mit sechs- bis neunmonatiger Verzögerung in der Regel für fallende Aktienkurse gesorgt", sagt Riße. Gerade die Entwicklung an den Anleihemärkten dürfte die Aktienmärkte in den kommenden Monaten sehr stark beeinflussen. "Mit immer attraktiver werdenden Renditen für sichere US-Papiere werden sich die Investoren zwei Mal überlegen, ob sie sich den drohenden Risiken am Aktienmarkt gerade nach dieser Rallye aussetzen wollen", sagt Riße. Einziges Gegenargument wäre eine dynamische Wirtschaftsentwicklung mit steigenden Unternehmensgewinnen. "Von diesem positiven Umfeld für Aktien sind wir aber auch noch ein gewaltiges Stück entfernt", sagt Riße.

Geringe Gefahr eines steigenden Leitzinses in den USA
Ein weiteres Thema sei die befürchtete Zinswende in den USA, nachdem Fed-Chefin Yellen steigende Zinsen nach dem Ende des Anleihekaufprogramms in Aussicht gestellt hatte. "Wenn man genauer hinschaut, ist es erstens nicht wirklich eine Überraschung, dass Yellen manche Dinge nicht ganz so ‚locker‘ wie ihr Vorgänger sieht", sagt Riße. "Laut der Sitzungsprotokolle der vergangenen Monate war sie es, die durchaus schon sehr früh restriktivere Töne angeschlagen hat." Außerdem wisse auch Yellen zum jeztigen Zeitpunkt nicht genau, wann und wie sie die Zinsen erhöhen werde. Alle Prognosen fußten auf Annahmen über die wirtschaftliche Entwicklung in den USA, die von vielen Faktoren abhänge. "Im Zweifel werden die Zinsen auch noch weitere zwei Jahre da bleiben wo sie sind", sagt Riße. "Und neue quantitative Maßnahmen werden ihre Fortsetzung finden, wenn nötig." (mb)