Sowohl in Deutschland als auch in der Eurozone liegt die Inflationsrate weiterhin deutlich unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. In Deutschland verteuerten sich Waren und Dienstleistungen im November um 1,2, europaweit schätzungsweise um 0,9 Prozent. Auch in den USA ist keine starker Preisauftrieb Teuerung zu beobachten.

Anleger gehen davon aus, dass es auf absehbare Zeit so bleibt. Das könnte sich allerdings als Fehler erweisen, warnt Axel Cron, Chefanlagestratege bei HSBC Global AM: "An den Kapitalmärkten wird das Inflationsrisiko unterschätzt."

Die Inflation könnte rascher anziehen als gedacht. Der Experte rechnet für die USA mittelfristig mit einer Inflationsrate von rund 2,5 Prozent – getrieben vor allem von steigenden Preisen für Dienstleistungen. Investoren gehen unterdessen von einem Szenario mit weniger als einem Prozent Teuerung aus. Das lässt sich aus den Optionspreisen ablesen. "Ähnlich ist die Lage in der Eurozone", sagt Cron. "Hier herrscht am Kapitalmarkt eine ausgeprägte Skepsis, dass die Europäische Zentralbank ihr Inflationsziel auf absehbare Zeit erreicht."

Politik und Notenbanken könnten umsteuern
Was Anleger bei ihren Inflationserwartungen außer Acht lassen: Die US-Notenbank denkt darüber nach, ihr Inflationsziel anzupassen und eine Phase höherer Inflation in Kauf zu nehmen, weil die Teuerung in den vergangenen Jahren unter dem Zielwert lag. "In der Eurozone indes könnte eine aktive Fiskalpolitik die Lage rasch ändern", so Cron. Höhere Staatsausgaben rücken immer mehr in den Bereich des Möglichen. Sollte die Politik tatsächlich diesen Weg beschreiten, könnten die Inflationserwartungen deutlich anziehen. (fp)