Investoren können zumindest aus wirtschaftlicher Sicht zuversichtlich in das Jahr 2020 blicken. Denn die Wirtschaft sollte weiter wachsen. "2020 werden wir keine globale Rezession sehen“, ist Axel Cron, Chief Investment Officer bei HSBC Global Asset Management (Deutschland), überzeugt. Im Gegenteil: Die weltweiten Wachstumsraten dürftensich weiter erholen.

Schon seit ihrem zwischenzeitlichen Tiefpunkt im April 2019 stabilisiert sich die Weltkonjunktur mit leichter Aufwärtstendenz. "Die Kosten der globalen Konflikte, allen voran des Handelsstreits zwischen China und den USA, sind jedoch deutlich sichtbar“, so Cron. Im Herbst 2018 zeigte das HSBC-eigene Modell, das in Echtzeit eine Vielzahl von Indikatoren und Wirtschaftsdaten verarbeitet, noch ein Weltwirtschaftswachstum von 3,2 Prozent. Derzeit liegt der Wert bei 2,2 Prozent.

Licht und Schatten in den USA
Die USA und China werden nach Crons Einschätzung die Lokomotiven der weiteren Erholung im kommenden Jahr sein. "Die USA wachsen robust mit 2,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit liegt auf einem 50-Jahres-Tief. Die realen Konsumausgaben steigen Quartal für Quartal, den Haushalten geht es gut. Die Sparquote liegt bei außerordentlichen acht Prozent“, fasst Cron zusammen.

Negativ zeigt sich hingegen der Kapitalgütersektor, der seit etwa zwölf Monaten stagniert. Diese Entwicklung schlägt nach Ansicht des HSBC-Experten jedoch bislang nicht erkennbar auf den Rest der Volkswirtschaft durch.

China könnte neue Impulse liefern
In China hingegen zeigten sich die Schwächen offensichtlicher. Der Verlust an wirtschaftlicher Dynamik sei laut Cron vor allem auf zwei große Effekte zurückzuführen: den Handelskonflikt und die schwächere heimische Nachfrage. Letztere korreliert stark mit der Kreditvergabe, die die chinesische Regierung vor dem Hintergrund der enormen Verschuldung der Unternehmen und privaten Haushalte in Höhe von 220 Prozent der Wirtschaftsleistung in den vergangenen Jahren erfolgreich eingedämmt hat.

Auf die darauf erfolgte abgeschwächte Nachfrage hat die chinesische Regierung mittlerweile reagiert und die Kreditvergabe erneut angekurbelt. "Wir sind optimistisch, dass der Nachfrageeffekt nicht nur innerhalb Chinas, sondern auch im Rest der Welt inklusive Deutschland in den kommenden sechs bis zwölf Monaten ankommen wird“, erwartet Cron.

Dieser Impuls aus China dürfte nach Ansicht von Cron Europas Wirtschaft und dort vor allem dem verarbeitenden Gewerbe wieder auf die Sprünge helfen. Das Wachstum in der Eurozone ist nahezu zum Erliegen gekommen, woran Deutschland einen erheblichen Anteil hat. Der Industriesektor befindet sich in der Rezession. Positiv rage Cron zufolge derzeit Frankreich heraus. Das Land sei weniger dem Welthandel ausgesetzt und es wurden angebotsseitige Reformen angestoßen, begleitet von einer stimulierenden Fiskalpolitik. (aa)