Unvorhersehbare Regulierungsmaßnahmen bis hin zu wirtschaftlichen Schäden, die durch die strenge Covid-19-Politik verursacht werden, außerdem die wachsenden Risiken durch den wackeligen Immobilienmarkt und Präsident Xis freundschaftliches Verhältnis zu Russlands Präsident Wladimir Putin. All dies markiert eine dramatische Kehrtwende für den chinesischen Markt, der sich zu einem Magneten für Investoren aus aller Welt entwickelt hatte.

"Der Supertanker des westlichen Kapitals fängt an, sich von China abzuwenden", sagt Matt Smith von Ruffer, einer 31 Milliarden US-Dollar schweren Investmentfirma, die vor Kurzem nach mehr als zehn Jahren ihr Büro in Hongkong geschlossen hat, weil die Nachfrage nach Aktienresearch schrumpft. "Es ist einfach bequemer, China vorerst links liegen zu lassen, solange kein Ende von Zero Covid und die Rückkehr des geopolitischen Risikos in Sicht ist."

Misstrauen und Verwirrung
Xis Regierung hat im vergangenen Jahr wenig Rücksicht auf globale Investoren genommen, als sie eine Reihe von Maßnahmen gegen die profitabelsten Unternehmen des Landes ergriff. Das Ergebnis waren Misstrauen und Verwirrung über die Ziele der Kommunistischen Partei sowie empfindliche Verluste für die Aktionäre. Die während des Handelskriegs mit den USA entstandene Vorsicht gegenüber chinesischen Vermögenswerten nahm dieses Jahr noch zu, nachdem Russland die Ukraine angegriffen hatte und Xi weiterhin an der Nulltoleranzpolitik gegen Corona festhielt, obwohl diese von praktisch allen anderen Ländern aufgegeben wurde. Die Skepsis hinterlässt ihre Spuren: Der Anteil von Aktien aus China in Schwellenländerfonds ist auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren gesunken, so EPFR Global in einem Bericht.

Ein vollständiger Ausstieg aus China ist natürlich keine leichte Entscheidung, wenn man bedenkt, dass das Land – inklusive Hongkong – einen 21 Billionen Dollar schweren Anleihemarkt hat und dort Aktien mit einem Börsenwert von 16 Billionen Dollar zu Hause sind. Nach Ansicht von Luca Paolini von Pictet Asset Management bieten chinesische Staatsanleihen immer noch eine Möglichkeit zur Diversifizierung. Und es ist auch nicht so, als gäbe es reichlich attraktive Alternativen. (mb/Bloomberg)