Die Dynamik der Entwicklung bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV) hat über die Jahre deutlich abgenommen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Dennoch gibt es rund 18,4 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte mit bAV-Ansprüchen. Sie müssen sich im Alter darauf einstellen, Sozialbeiträge für die Kranken- und Pflegekasse in voller Höhe zu zahlen – Stichwort Doppelverbeitragung (FONDS professionell ONLINE berichtete). Versuche, zum früheren hälftigen Beitragssatz zurückzukehren, sind bisher an der Bundeskanzlerin gescheitert. Und angesichts der aktuellen finanziellen Engpässe bei vielen Krankenkassen wird sich daran so bald auch nichts ändern.

Damit nicht genug: Über die Sozialabgaben bei der Betriebsrente hinaus müssen sich alle Neu-Rentner auch auf steigende Steuerzahlungen bei ihren Alterseinkünften einstellen. Schuld daran ist das seit 2005 geltende Alterseinkünftegesetz, das den Einstieg in den Umstieg von der vor- auf die nachgelagerte Besteuerung der Renten einläutete. Das bedeutet konkret, dass einerseits die Rentenbeiträge seither von Jahr zu Jahr zunehmend steuerfrei gestellt und andererseits im Gegenzug die Renten in der Auszahlungsphase zunehmend steuerlich belastet werden. Maßstab ist für jeden Ruheständler stets das Jahr des Renteneintritts. Kleiner Trost: Sein dort gültiger Besteuerungsanteil bleibt wenigstens lebenslang stabil, steigt also nicht.

Wie der Besteuerungsanteil wächst
Ein Beispiel: Wer bis 2005 in Rente ging, für den gilt weiter die alte Regelung, nach der für die Altersbezüge nur 50 Prozent Besteuerungsanteil herangezogen werden. Dies führte wegen des steuerfreien Existenzminimums zu sehr wenigen steuerpflichtigen Rentnern. Für alle späteren Jahrgänge von Neu-Rentnern steigt der steuerpflichtige Anteil jedoch Stufe für Stufe.

Wer beispielsweise 2018 in Rente gegangen ist, muss schon 76 Prozent seiner Ruhegelder lebenslang versteuern (Neu-Rentner 2019: 78 Prozent). Von 2040 an liegt der Besteuerungsanteil für Neurentner dann bei vollen 100 Prozent.

Wirklich Steuern zahlen müssen Rentner aber nur, wenn sie mit ihren zu versteuernden Alterseinkünften über den Freibeträgen liegen, insbesondere dem Grundfreibetrag (2019: 9.168 Euro pro Jahr; 2020: 9.408 Euro). Umgerechnet sind dies derzeit 764 Euro steuerfreie Monatsrente. Hinzu kommt womöglich noch der Altersentlastungsfreibetrag (ab 64) für Nebeneinkünfte, der jedoch tendenziell sinkt und 2040 ebenfalls abgeschafft wird.

Finanzamt berücksichtigt Freibeträge
Für viele Rentner rückt die Rentensteuer nicht nur wegen der nachgelagerten Besteuerung näher, sondern auch wegen der Rentensteigerungen. Zum 1. Juli 2019 klettern die Bruttorenten in den alten Bundesländern um 3,18 Prozent (im Osten: um 3,91 Prozent). Anders als früher wird man es also auch im Ruhestand weiterhin mit dem Finanzamt zu tun bekommen.

Bereits 2015 mussten immerhin 27 Prozent der Rentner Einkommensteuer ans Finanzamt abführen, also mehr als jeder Fünfte. In absoluten Zahlen waren das 5,8 Millionen der 21,2 Millionen Empfänger einer gesetzlichen, privaten oder betrieblichen Rente. Von den ausgezahlten 278 Milliarden Euro fielen in jenem Jahr 43,4 Milliarden Euro – das entspricht 16 Prozent – unter die Steuerpflicht.

2015: 16 Prozent der Rentner steuerpflichtig
Diese Zahlen scheinen alt zu sein, sie sind aber brandneu und stammen vom Statistischen Bundesamt, das in dieser Woche erstmals eine Statistik zur jährlichen Rentenhöhe und -besteuerung veröffentlicht hat. In Zukunft soll die Statistik alle zwölf Monate veröffentlicht werden. Aktuellere Zahlen wird es jedoch auch künftig nicht geben, da die Ergebnisse der Lohn- und Einkommensteuerstatistik immer erst dreieinhalb Jahre nach Ende des jeweiligen steuerlichen Veranlagungsjahres vorliegen. (dpo)