Eine ungeschmälert hohe Nachfrage und ein nach wie vor knappes Angebot ließen die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren stetig steigen. Die hohen Preise wurden zudem durch ausgesprochen günstige Finanzierungskonditionen befeuert. Dass erste Zentralbanken angesichts der steigenden Inflation einen Kurswechsel ihrer Geldpolitik eingeläutet haben, signalisiert jedoch eine Trendwende. "Die Aussicht auf steigende Leitzinsen hat schon in den vergangenen Monaten zu einem Anstieg der Bauzinsen geführt", sagt Katharina Heid, Geschäftsführerin beim Immobilienbewerter Heid. "Lagen die Zinsen zu Beginn des Jahres noch bei rund einem Prozent, sind sie mancherorts schon auf bis zu drei Prozent gestiegen."

Für Eigentümer, die ihre Immobilie finanziert haben, kann es insbesondere dann schwierig werden, wenn die Zinsbindung ihres Kredits ausläuft und eine Anschlussfinanzierung ansteht. Unter Umständen sprengt das gestiegene Zinsniveau dann den Rahmen ihrer Möglichkeiten und sie können sich gezwungen sehen, zu verkaufen. Kommt es daraufhin zu einem erhöhten Angebot am Markt, könnten die Preise sinken.

Der Immobilienmarkt wird sich stark differenzieren
Bei der Frage, welche Märkte das treffen könnte und wie sehr, spielt der Standort der Immobilie eine immer wichtigere Rolle. Das Hamburger Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI) prognostizierte unlängst, dass Immobilienbesitzer in der Hälfte der 401 Landkreise in Deutschland bis 2035 von einer stabilen Preisentwicklung ausgehen können. Allen voran in den Top-7-Standorten und Metropolregionen ist mit starken Preisanstiegen zu rechnen. Die Analysten des HWWI sehen das größte Wachstumspotenzial in süddeutschen Regionen. Für München und Umgebung prognostizieren sie Preisdynamiken von rund zwei Prozent pro Jahr. In ost- und mitteldeutschen Landkreisen gehen sie hingegen von einem deutlichen Preisrückgang aus. Einzig die Großräume um Berlin, Leipzig, Dresden, Jena und Weimar werden auch in Zukunft positive Preisdynamiken vorweisen können.

"Wurde bisher in beinahe der gesamten Bundesrepublik der gleiche Trend bei den Preisen beobachtet, könnten steigende Zinsen in einigen Regionen die Preisrally zu einem abrupten Ende bringen", sagt Gutachterin Heid. Daher würde die Berücksichtigung der Lage einer Immobilie in den kommenden zehn Jahren wichtiger denn je, ergänzt sie.

Die Zinswende bestärkt Immobilienweisheiten
Sollte die EZB auf ihrer Zins-Sitzung am 21. Juli den Leitzins wie geplant anheben, werden die Bauzinsen weiter steigen und die finanzielle Gesamtbelastung für Immobilienkäufer wird sich drastisch erhöhen. "Daher sollten Kaufinteressierte schnell handeln und die Zeit der niedrigen Zinsen nutzen, um sich mit wertstabilen Immobilieninvestitionen für das Alter und gegen die steigende Inflation abzusichern", sagt Heid.

Die alte Immobilienweisheit, dass die drei wichtigsten Bewertungskriterien, Lage, Lage und Lage hießen, kann einmal mehr seine Gültigkeit behaupten. Oder wie der misstrauische Volksmund sagt: Trau, schau, wo. (tw)