Nach einer Phase der Erleichterung, dank ausgebliebener Einbrüche am Immobilienmarkt durch die Coronakrise, müssen Anleger nun der Realität ins Auge sehen. Die Zeit der großen Preisanstiege ist vorbei. "Insbesondere im Segment Wohnen halten die Mieten schon seit längerer Zeit nicht mehr Schritt mit den Preisen", sagt Klaus Oberfuchshuber, Leiter der Immobilienberatung bei der Privatbank Merck Fink. Die Mietrenditen für Investoren seien bereits gesunken, und auch mit Blick in die Zukunft scheint das Potenzial begrenzt. "Zugleich ist die Nachfrage nach Wohnimmobilien von institutionellen und privaten Investoren robust, sodass die Preise auf hohem Niveau stabil bleiben oder sogar noch leicht steigen", sagt Oberfuchshuber. 

Für Investoren sind das dennoch keine guten Nachrichten. Sie müssen sich darauf einstellen, dass die Renditen für Immobilien in der Tendenz weiter sinken werden. "Dabei ist die Null jedoch die Untergrenze", sagt der Immobilien-Experte. Während erhebliche Teile des Anleihenmarktes bereits im roten Bereich angekommen sind, sei eine solche Situation bei Immobilien, nicht vorstellbar. Anleger, die nicht bereit sind, sich von attraktiven Renditen zu verabschieden, müssen kreativ werden. Objekte mit Wertsteigerungspotenzial seien im Bereich Wohnen beispielsweise seniorengerechte Objekte, sagt Oberfuchshuber. 

Logistik im Kommen
Stark gefragt seien derzeit besonders Logistikimmobilien. Das liegt zum einen daran, dass der Onlinehandel in der Krise massiv zugelegt hat. Zum anderen haben viele Unternehmen Teile ihrer globalen Lieferketten zurück ins Heimatland verlegt. Auch bei Büroimmobilien stellt sich langsam heraus, dass der große Leerstand ausbleiben wird. "Primär wird es bei den Objekten um die Umgestaltung bestehender Flächen auf neue Arbeitsformen gehen – keine umfangreichen Kündigungen von Mietverträgen", sagt Oberfuchshuber. (fp)