Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht in acht Industrieländern klare Anzeichen dafür, dass die Party für Immobilien-Investoren bald vorbei sein könnte. Dazu zählen die USA, Schweden, Großbritannien, Australien, Belgien, Portugal, Italien – und Deutschland. Dies berichtet die "Südeutsche Zeitung" (SZ).

In der Bundesrepublik ergebe sich allerdings kein einheitliches Bild. "Anzeichen für spekulative Überbewertungen gibt es auch in Deutschland, allerdings in erster Linie in den Metropolen", zitiert die SZ aus der Studie des DIW, die an diesem Mittwoch veröffentlicht wird. "Symptome spekulativer Übertreibungen" erkennen die Forscher in erster Linie bei mehrstöckigen Wohnungsneubauten in den sieben größten Städten Deutschlands Berlin, München, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, Hamburg und Köln.

Solide Finanzierung
Mit Blick auf die bundesweite Entwicklung stuften die Experten die Lage als entspannter ein, schreibt die SZ. Die Verschuldung der Haushalte sei hierzulande noch relativ gering, sagte der DIW-Immobilienexperte und Mitautor der Studie, Claus Michelsen, der Zeitung. Vor allem diese Tatsache spreche gegen eine landesweiten Immobilienblase.

In Deutschland gebe es zudem viele Hinweise auf eine "solide Finanzierung" von Wohnimmobilien. Es sei nicht zu sehen, dass die Vergabe von Baukrediten gefährlich schnell gestiegen ist. Auch sei nicht zu erkennen, dass Banken leichtfertig Darlehen an Kunden herausgeben, deren Bonität dafür nicht ausreicht, zitiert die SZ aus der Studie.

Erhöhte Wachsamkeit
Das DIW hat die Daten von 20 Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD ausgewertet. Während Experte Michelsen die Gefahr einer Immobilien-Preisblase in Deutschland als relativ gering bewertet, schließt er nicht aus, dass eine solche in einem anderen Land ensteht und platzt. Es bestehe die reale Ansteckungsgefahr, dass dies erneut zu einer weltweiten Krise führen könnte.

Das Bewusstsein für solche Gefahren sei seit der Finanzkrise, die durch das Platzen der US-Hypothekenblase ausgelöst wurde, aber deutlich größer geworden. Michelsen rechne daher damit, "dass man beim nächsten Mal wahrscheinlich sehr viel früher reagieren würde als 2007 und 2008, als es eigentlich schon zu spät war", zitiert die SZ den Experten. (am)