Die Wut der Berliner über explodierende Mieten zielt auf die Falschen, sagt Michael Gobitschek, Portfoliomanager des Immobilienaktienfonds Skagen m2. Schuld an den steigenden Mieten seien nicht die privaten Wohnungsunternehmen, sondern die steigende Nachfrage, die auf ein zu geringes Angebot stoße. Allein 2018 stieg die Einwohnerzahl in Berlin um mehr als 156.000 Personen. Die Mieten in der Stadt erhöhten sich allerdings nur um etwa sechs Prozent. "Insgesamt ist das Mietniveau in Berlin im Vergleich zu anderen globalen Metropolen weiterhin sehr moderat", sagt Gobitschek.

Für den Experten wäre eine Enteignung oder auch weitere regulatorische Einschränkung privater Investitionen in den Wohnungsbau genau das falsche Signal. "Die Enteignung der rund 243.000 Wohnungen würde laut Schätzungen der Berliner Senatsverwaltung etwa 29 bis 36 Milliarden Euro kosten – Geld, das Berlin mit Blick auf die Schuldenbremse nur schwer aufwenden kann", sagt der Experte. Zudem würde das Geld für den dringend benötigten Neubau fehlen.

Subventionen können Lücke schließen
Bis 2030 werden in Berlin voraussichtlich vier Millionen Menschen leben (Stand Ende 2018: 3,748 Mio.). Schätzungsweise werden in den kommenden Jahren rund 114.000 neue Wohnungen benötigt. Rechnet man den Rückstand bei den Fertigstellungen mit ein, liegt der Bedarf sogar bei rund 194.000 Wohnungen. "Um diese Lücke zu schließen, sollten Neubauvorhaben durch Subventionen gefördert und Baugenehmigungen schneller erteilt werden", sagt Gobitschek. (fp)