Was Wohnen kostet, ist die soziale Frage der Gegenwart. Nach mehr als einem Jahrzehnt mit steigenden Mieten geht in der Gesellschaft die Angst um, dass sich bald niemand mehr eine Unterkunft in normaler Lage leisten kann. Kaum eine Woche, ohne dass jemand öffentlich fordert, die teuflische Preisspirale doch endlich zu durchbrechen. Dabei ist die finanzielle Not der Mieter heute nicht größer als vor einigen Jahren, zeigt eine aktuelle Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) vorliegt.

Zwar lassen auch die Ökonomen keinen Zweifel daran, dass die Mieten ordentlich zugelegt haben, vor allem in diversen Großstädten. Gleichzeitig seien aber auch die Nettoeinkommen gestiegen – und das nicht zu knapp. Seit dem Jahr 2010 betrug der Zuwachs real, also nach Berücksichtigung der Inflation, knapp sieben Prozent. Die Mietkostenbelastung der meisten Haushalte, also der Anteil der Kaltmiete an den Haushaltsnettoeinkommen, ist daher nicht wesentlich gestiegen. Manche Gruppen mussten laut IW zuletzt sogar tendenziell etwas weniger von ihrem Einkommen für die Miete ausgeben.

Keine Verarmung der Mieter
Im Mittel geben Mieter in Deutschland 25 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete aus. Selbst bei den in der Regel teureren Neuverträgen sowie in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern liegt die Belastung noch unter der 30-Prozent-Marke, die in Politik und Gesellschaft oft als kritische Grenze herangezogen wird. "Wir wollen das Problem nicht verharmlosen, aber wir sehen keine Verarmung der Mieter", lautet daher das Fazit von Studienautor Michael Voigtländer.

Die Studie zeigt, dass 34 Prozent der Mieter (rund 6,9 Millionen Haushalte) mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Kaltmiete ausgeben. Ein Grund zur Besorgnis sei das aber nicht, denn auch dieser Anteil sei im Lauf der Jahre kaum gewachsen. Menschen mit höheren Einkommen entschieden sich außerdem häufig bewusst dafür, für eine schöne Wohnung mehr zu zahlen, sagt Voigtländer der FAZ zufolge. Wirklich problematisch ist die Lage aus Sicht des IW nur für einen kleinen Teil der Mieter: jene, die einkommensschwach sind, in Großstädten leben und mehr als die besagten 30 Prozent für die Miete ausgeben. Die Studie beziffert ihre Zahl auf 1,8 Millionen Personen, rund 2,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. (fp)