Christine Lagarde will die geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) auf den Prüfstand stellen. Nun hat sich die Bundesregierung erstmals offen dazu bekannt, die Initiative der EZB-Präsidentin positiv zu begleiten. Dabei geht es nicht zuletzt darum, die Inflationsrate anders zu bemessen – und vor allem steigende Hauspreise stärker zu berücksichtigen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Auf Anfrage des FDP-Abgeordneten Gerald Ullrich heißt es aus dem Wirtschaftsministerium: "Deutschland unterstützt die Initiative zur Einbeziehung des selbstgenutzten Wohneigentums in den für europäische Zwecke berechneten harmonisierten Verbraucherpreisindex, auch wenn eine europaweit einheitliche methodische Umsetzung eine sehr große Herausforderung wäre."

Höhere Inflation als ausgewiesen
Ullrich wirbt gegenüber der FAZ eindringlich dafür, die Berechnung der Inflationsrate anzupassen. "Es macht keinen Sinn, den Bürgern vorzugaukeln, dass sie mehr Geld in der Tasche haben, wenn tatsächlich ihre Kaufkraft sinkt", sagt Ullrich.

Bislang bleiben die Immobilienpreise in der Berechnung außen vor. Da diese unter anderem durch die jahrzehntelang niedrigen Zinsen stark gestiegen sind, hätte die Einbeziehung des Eigenheims und der selbstbewohnten Wohnung in die Inflationsmessung spürbare Effekte: Nach Schätzungen der Bundesbank könnte die Rate quartalsweise um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen. Im November allerdings drückten die gesenkte Mehrwertsteuer und fallende Energiekosten die Inflationsrate auf den tiefsten Stand seit Anfang 2015: Die Verbraucherpreise sanken im November um 0,3 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag (30.11.) mitteilte. Im September und Oktober lag die Jahresteuerung bei minus 0,2 Prozent. (fp)