Die Märkte zeigten sich in den vergangenen Wochen wackelig. Wer eine Erklärung dafür finden wolle, müsse bei den markttechnischen Daten ansetzen, sagen die Experten des Fondsanbieters ING Investment Management. Es falle auf, dass die extrem niedrigen Zinsen Anleger, denen es an Erfahrung mit Aktienanlagen mangelt, in Richtung Aktieninvestment lenkten. Als Marktneulinge stießen diese bei schwieriger Marktlage ihre Positionen ab und verabschiedeten sich aus dem Markt. Dabei werde ihr Verhalten offenbar vom Herdentrieb bestimmt. Auch Sorgen hinsichtlich der Rahmendaten hätten zur Unruhe am Markt beigetragen.

Die Finanzkrise belaste die Wachstumsdynamik noch immer. Das zeige sich bei den anhaltenden Bilanz- und Wettbewerbsproblemen, mangelnder Profitabilität, hoher Arbeitslosigkeit und stagnierendem Lohnwachstum. Diese Verzerrungen betreffen die Regionen in unterschiedlichem Maße, stellt ING IM fest. Die Frage sei, ob sich der moderate Konjunkturaufschwungs weltweit fortsetzen könne. Das Nominalwachstum könnte schwächer sein als derzeit eingepreist. Die Notenbanken seien offenbar der Ansicht, sie könnten die Engpässe bei Arbeitsmarkt und Produktivität wieder gutmachen. Es sei indes ungewiss, ob sie auf der Angebotsseite etwas ausrichten können. Der unerwartet starke Rückgang der Arbeitslosenquote sei wohl als Signal gedeutet worden, das kurzfristige Angebot könne nicht so stark ausgeweitet werden wie erhofft.

Märkte könnten eigene Realität schaffen
Im aktuellen Umfeld sei mit zunehmender Marktvolatilität zu rechnen. Bislang habe die weltweit lockere Zinspolitik die Volatilität weitgehend gezügelt. Die Befürchtungen mehrten sich aber, der Markt könne sich von der tatsächlichen realwirtschaftlichen Lage abkoppeln. Die Märkte können in erheblichem Maße ihre eigenen Realitäten schaffen, warnen die ING-Experten. Verbreite sich Pessimismus, werde die damit einhergehende Verschärfung der Finanzierungsbedingungen im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung das Wachstum lähmen. (cf)