Die Entscheidung der EZB, ein umfangreiches Programm zum Kauf von Staatsanleihen aufzulegen, sei als Teil eines tiefgreifenden geldpolitischen Umschwungs zu verstehen, sagt Willem Verhagen, Volkswirt beim Fondsanbieter ING Investment Management (ING IM). Der europäische Währungshüter trage damit der stagnierenden Konjunkturentwicklung im Nachgang der Eurokrise Rechnung – so wie auch alle anderen G4-Zentralbanken. Bei der EZB habe sich die geldpolitische Lockerung allerdings deutlich langsamer vollzogen als bei ihren Pendants in anderen Ländern.

Trotz dieser Zwänge sei die EZB in punkto Quantitative Easing anscheinend noch einen Schritt weiter gegangen, sagt Verhagen. Die größte positive Überraschung bestehe darin, dass das EZB-Anleihekaufprogramm eher dem unbefristeten QE3-Programm der US-Notenbank Fed beziehungsweise dem QQE (Qualitative and Quantitative Easing) der Bank of Japan entspreche als den Fed-Vorläuferprogrammen QE1 und QE2.

EZB dürfte Lockerung notfalls noch beschleunigen
Alles in allem habe die EZB mit dem neuen Anleihekaufprogramm wiederum unter Beweis gestellt, dass sie bereit sei, alles zu tun, um ihr Preisstabilitätsziel zu erreichen. "Ob das reichen wird, um die Inflationserwartungen wieder mit dem Inflationsziel zu synchronisieren, bleibt abzuwarten", sagt Verhagen. Zumindest sei man bei ING IM jetzt zuversichtlicher, dass die EZB tatsächlich bereit sein werde, das Tempo der Lockerung notfalls noch zu beschleunigen. (fp)