Die US-Notenbank Fed wird im Juni den Leitzins erhöhen, erwartet Willem Verhagen, Volkswirt bei ING Investment Management. In den folgenden Monaten werden die Arbeitslosenquote und die Höhe der Inflation in den USA darüber entscheiden, in welchem Tempo weitere Zinsanhebungen folgen, meint Verhagen. Sollte es vor Juni zu größeren wirtschaftlichen Verwerfungen kommen, könnte die Zinserhöhung allerdings verschoben werden.

"Die Fed hat sich durch den Verweis auf internationale Entwicklungen in ihrer jüngsten Pressemitteilung eine Hintertür offen gehalten", sagt Verhagen. Diese Formulierung beziehe sich auf den Dollar-Wechselkurs, auf die Wachstumsdynamik anderer Länder sowie die Auswirkungen der Griechenland-Krise auf die internationalen Finanzmärkte. "Außerdem besteht das Risiko, dass sich die sinkenden Inflationserwartungen über den Wechselkurs hinaus auf die US-Wirtschaft auswirken", sagt Verhagen.

Zinserhöhung könnte wirtschaftliche Erholung abwürgen
Die Fed sei genauso wie die Bank of England mit einer schwierigen Situation konfrontiert. Beide Notenbanken müssten mit ungewöhnlich großen Unsicherheiten umgehen. Dennoch werde sich die Fed voraussichtlich für die Strategie entscheiden, die Zinsen im Juni probeweise anzuheben, glaubt Verhagen. "Bei einer solchen Strategie besteht das Risiko, dass die Erholung abgewürgt werden könnte." Angesichts der kräftigen privaten Nachfrage in den USA sei dieses Risiko jedoch viel geringer als in den vergangenen Jahren. (fp)