Seit Mai dieses Jahres befänden sich die Märkte in einer Übergangsphase, heißt es vom Fondsanbieter ING Investment Management (ING IM). Die US-Notenbank Fed könne durchaus beschließen, ihr Anleihekaufprogramm nach ihrer Sitzung am 18. Dezember zurückzufahren. Bei ING IM hält man März 2014 aber immer noch für den wahrscheinlichsten Zeitpunkt, zumal im Dezember auch Haushaltsverhandlungen anstehen. Ganz gleich ob die Fed in diesem oder im nächsten Jahr mit dem Tapering beginne: Die Auswirkungen auf die meisten Finanzmärkte dürften geringer sein als im vergangenen Mai oder Juni, sagt Valentijn van Nieuwenhuijzen, Chefstratege von ING IM International. Die Ausgangssituation sei jetzt eine andere: Als im Mai zum ersten Mal über ein Tapering gesprochen wurde, hätten die Zehnjahresrenditen noch unter zwei Prozent gelegen. Seither seien sie um 80 bis 90 Basispunkte angestiegen. Das Risiko eines ähnlich kräftigen Anstiegs in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum sei sehr viel geringer als im Mai und Juni.

In der Zwischenzeit sei das Tapering-Risiko zum größten Teil eingepreist worden, und die Märkte schienen den Unterschied zwischen Tapering und einer Straffung der Geldpolitik, also einer Zinsanhebungen, besser zu verstehen. Unter der neuen Fed-Vorsitzenden Janet Yellen dürfte das Prinzip der "Forward Guidance" weiter verfeinert werden, mit Zinsanhebungen sei zumindest in den kommenden zwei Jahren nicht zu rechnen. Wenn der Beginn des Taperings die Anleger nicht mehr dazu veranlasse, deutlich stärkere oder frühere Zinsanhebungen zu erwarten, dürfte der Aufwärtsdruck auf die langfristigen Zinsen sehr viel geringer ausfallen. Damit sollten auch die negativen Auswirkungen auf riskantere Vermögenswerte wie Aktien und Immobilien im Vergleich zum Mai und Juni dieses Jahres deutlich schwächer ausfallen.

Unternehmensgewinne rücken in den Fokus
Die Märkte würden künftig nicht mehr hauptsächlich von der Liquidität, sondern vom Wirtschaftswachstum und der Entwicklung der Unternehmensgewinne getrieben werden, sagt van Nieuwenhuijzen. "Wir rechnen mit einer Fortsetzung der Konjunkturerholung, die zu höheren Gewinnen beitragen sollte. Auch die Wahrnehmung systemischer Risiken an den Märkten sollte weiter zurückgehen." Das könne zu niedrigeren Risikoprämien für Aktien beitragen. Die Kapitalströme spielten weiterhin eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die von großen, globalen Geldverwaltern ausgelösten Ströme zwischen den einzelnen Anlageklassen seien künftig von großer Bedeutung. "Unseres Erachtens wird sich die Umschichtung von Barmitteln und sicheren Anleihen in Aktien und riskantere Anleihen auch 2014 fortsetzen", sagt der ING-Stratege.

Aktien seien weiterhin die bevorzugte Anlageklasse, auch wenn es keine Garantie dafür gebe, dass 2014 ähnlich hohe Renditen erzielt werden wie im laufenden Jahr. "Unseres Erachtens sind die Chancen in Europa am größten", sagt van Nieuwenhuijzen. Im Euroraum bleibe das Wachstum zwar schwach, aber die Peripherieländer sollten aufholen. Dasselbe gelte für die Unternehmensgewinne, die sich von einem niedrigen Niveau aus deutlich erholen könnten. Bei Staatsanleihen der Peripherieländer könnten sich die Spreads weiter einengen. Die Schwellenländer seien dagegen anfällig. Sie hätten seit dem Beginn der bisher einmaligen Liquiditätsmaßnahmen der Fed so viel ausländisches Kapital angezogen, dass durchaus das Risiko einer Umkehr der Kapitalströme bestehe. (mb)