Experten warnen derzeit vor Russland-Investments: "Trotz der attraktiven Bewertungen sind wir kurzfristig vorsichtig, was den russischen Aktienmarkt betrifft", sagt Nathan Griffiths, Fondsmanager und Emerging-Markets-Experte bei ING Investment Management. Bisher sei das Risiko einer Eskalation größer als die Chance auf eine Rücknahme der Maßnahmen. "Da die ausländischen Anleger Besorgnis wegen der Risiken für ihre Investitionen in Russland hegen, dürften sie zudem ihr Engagement eher verringern als erhöhen, was den Markt zusätzlich schwächen könnte", sagt Griffiths. 

Die bisherigen Strafmaßnahmen des Westens seien zwar moderat, blieben aber nicht ohne Wirkung auf die russische Wirtschaft: "Die Sanktionen haben nur sehr begrenzte direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft, denn sie sollen nur einige Schlüsselpersonen treffen", sagt Giffiths. Allerdings seien indirekte Auswirkungen festzustellen: "Die Zentralbank beschloss, die Finanzmärkte durch eine Zinsanhebung um 1,5 Prozent zu beruhigen." 

Gift für Russlands lahmende Konjunktur
Dieser Schritt werde die ohnehin lahmende Konjunktur zusätzlich schwächen. Gleichzeitig habe die Situation zu verstärkten Kapitalabflüssen geführt. Bisher seien insgesamt knapp 70 Milliarden US-Dollar abgezogen worden. "Außerdem werden internationale Unternehmen wahrscheinlich alle Investitionen in Russland erst einmal aussetzen, was die Konjunktur zusätzlich in Mitleidenschaft ziehen dürfte, so dass es im Jahr 2014 eventuell zu einer Rezession kommen könnte", sagt Griffiths. (mb)