Parallel zu steigenden Rezessionsängsten erlebt auch das Wort der "Stagflation" ein Comeback. Dieses setzt sich aus den Begriffen Stagnation und Inflation zusammen und bezeichnet gemeinhin einen volkswirtschaftlichen Zustand, wo das Wachstum stagniert, die Preise aber weiter steigen. Aktuell wäre das Wort so häufig zu hören, wie seit 1990 nicht mehr, schreibt Ad van Tiggelen, Senior Strategist ING Investment Management, in seiner aktuellen Marktkolumne. Was ihm und seinen Kollegen zufolge allerdings übertrieben sei, denn die in den 1970er und frühen 1980er Jahren weltweit galoppierende Inflation stand unter ganz anderen Vorzeichen, als wir sie gegenwärtig vorfinden. Zudem, so van Tiggelen, hätten die Notenbanken in den 1970ern auch nicht über konkrete Inflationsziele verfügt.

Sicher sei dafür, dass die Inflation die Anleiherenditen nach oben drückt und damit den Spielraum der Notenbanken bei der Senkung der Geldmarktzinsen beschränkt. Was laut van Tiggelen in der Konsequenz dazu führen dürfte, dass auch 2008 für die meisten Asset-Klassen ein schwieriges Jahr werden wird. Positiv gestimmt ist er für Aktien von Unternehmen mit hohem Ertragswachstum (10% und darüber), sowie für Unternehmen, die höhere Preise an ihre Abnehmer weitergeben können, wie Versorger, Lebensmittelhersteller und Rohstoffproduzenten. Weitere Profiteure dürften ihm zufolge zudem Firmen mit hohem Volumenwachstum sein, wie Mobilfunkanbieter und Internethäuser, sowie auch Hochzinsanleihen. Insgesamt schreibt van Tiggelen wie folgt:

"Inflation ist wieder im Gespräch. Das heißt, genauer gesagt, die steigende Inflation bei Gütern und Leistungen, die vor allem durch die höheren Rohstoffpreise angetrieben wird und anscheinend die hohe Inflation bei Vermögenswerten (Preisanstieg bei Immobilien, Wertpapieren, Kunstgegenständen usw.) abgelöst hat. Letztere hat in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Steigerung des weltweiten Vermögens beigetragen.

Vor dem Hintergrund wachsender Rezessionsängste ist das Wörtchen "Stagflation" jetzt in aller Munde - jedenfalls so häufig wie schon seit 1990 nicht mehr! Bei Ölpreisen von 100 Dollar pro Barrel bleibt auch der Vergleich mit den wirtschaftlich schwierigen 1970er Jahren nicht aus, insbesondere wenn man mit Aktienpessimisten spricht.

Das ist nach unserem Dafürhalten allerdings etwas übertrieben. Die in den 1970er und frühen 1980er Jahren weltweit galoppierende Inflation unterschied sich in vielerlei Hinsicht von der gegenwärtigen Situation und stellte ein in den letzten 200 Jahren einzigartiges Szenario dar. Zunächst einmal verfügten die Notenbanken in den 1970ern nicht über konkrete Inflationsziele. Es bestand lediglich ein vages Postulat der Preisstabilität. Entsprechend richtete sich das Augenmerk auf Wachstum, während Preis treibende Faktoren unterschätzt wurden. Heutzutage stimmen sich die Zentralbanken stärker miteinander ab und sind in ihren geldpolitischen Entscheidungen autonomer. Die Inflationsentwicklung ist stärker in den Mittelpunkt gerückt; dies gilt vor allem für die EZB und weniger für die amerikanische Notenbank Fed.

Zweitens war die Verhandlungsmacht der Beschäftigten in jenen Jahren weitaus höher - starke Gewerkschaften und geringes Outsourcing-Potenzial machten es möglich. Und drittens war die Produktivität geringer, weil man einerseits noch nicht in dem Maße auf den technologischen Fortschritt zugreifen konnte und andererseits häufige Streiks die wirtschaftliche Entfaltung lähmten. Von diesen drei Faktoren angetrieben, geriet die Lohn-/Preisspirale in den 1970er Jahren weitaus häufiger aus dem Lot, als dies heutzutage der Fall ist.

Im weltwirtschaftlichen Wandel zeigt sich auch die Inflation im neuen Gewand. Unter den wachsamen Augen der Zentralbanken, bei stetigem Produktivitätswachstum und einem wahrhaft globalen Arbeitsmarkt ist ein Aus-dem-Ruder-Laufen nicht sehr wahrscheinlich.

Wir sehen uns jetzt mit einer wachsenden Verbraucherpreisinflation konfrontiert. Was bedeutet das für Investoren?

Zunächst einmal drückt die Inflation die Anleiherenditen nach oben und beschränkt damit den Spielraum der Notenbanken bei der Senkung der Geldmarktzinsen. Was die Inflation von Vermögenswerten betrifft, sind das schlechte Nachrichten. Die Folgen sind bereits abzusehen: Aktien, Anleihen und Immobilien schnitten in der zweiten Jahreshälfte 2007 vergleichsweise schlecht ab. Momentan sieht es so aus, dass wohl auch 2008 für die meisten Asset-Klassen ein schwieriges Jahr wird, wenn auch attraktive Bewertungen eine gewisse Erleichterung schaffen.

Unter den Investoren macht sich jetzt Risikoscheu breit. Allerdings bringen risikolose Anlagen derzeit kaum mehr als vier Prozent Rendite, die zudem nahezu vollständig von Steuern und steigender Inflation aufgezehrt wird.

Welche Alternativen gibt es?

Aktienanlagen, die in den letzten Jahren außerordentlich gut abgeschnitten haben, wie beispielsweise Small Caps, Bautitel, allgemeine Industriewerte und Immobilienaktien, sind wahrscheinlich noch nicht preisgünstig genug. Auch Schwellenländerwerte fallen in diese Kategorie, sollten aber so lange gut abschneiden, wie die USA-Wirtschaft nicht in eine Rezession abgleitet.

Aktien von Unternehmen mit hohem Ertragswachstum (10% und darüber) werden selten und dürften sich daher in 2008 positiv entwickeln. Unternehmen, die höhere Preise an ihre Abnehmer weitergeben können (wie Versorger, Lebensmittelhersteller und Rohstoffproduzenten), sowie Unternehmen mit hohem Volumenwachstum (Mobilfunkanbieter, Internet) sollten von dieser Entwicklung profitieren. Auch Anlageformen, die die Rezession bereits eingepreist haben, wie zum Beispiel Hochzinsanleihen, sind interessant. Ein Korb gut diversifizierter Investments in diese Art von Assets sollte sich auch 2008 auszahlen." (ir)

VERANSTALTUNGSTIPP

Wer sich mit den Experten von ING persönlich austauschen möchte, hat dazu beim FONDS professionell KONGRESS am 29. und 30. Januar 2008 in Mannheim die Möglichkeit. ING zählt zu den 200 Ausstellern. Wer sich noch nicht zum Kongress angemeldet hat, kann dies gleich nachholen. Zur Anmeldung geht es hier.