"Wir erleben momentan weltweit eine Anpassung beim Kreditrisikoaufschlag. Grund sind die Probleme im "Sub-prime"-Segment (Hypothekarkredite minderer Bonität) des amerikanischen Hypothekenmarktes und die nachlassende Risikoneigung in der Anlegerschaft. Da Investoren jetzt generell ihr Risiko reduzieren, haben sich die High-Yield-Spreads massiv ausgeweitet. Am stärksten sind die Bonitätskategorien BB und B betroffen - hier sind die Spreads allein in diesem Monat um über 100 Basispunkte gestiegen" erklärt Bart van der Made, Senior Investment Manager und Volkswirt, Emerging Markets Debt Team von ING Investment Management, Den Haag.  

Die Entwicklung bei den Emerging-Market-Spreads sei entsprechend verlaufen, wenn auch in kleinerem Maßstab. So hätten sich die Spreads von Schwellenländeranleihen in diesem Monat um 50 Basispunkte ausgeweitet. Je niedriger die Bonität eines bestimmten Schwellenlandes, desto stärker die Ausweitung der Spreads. Anleihen aus Ländern mit einem Credit-Rating von BB oder B hätten daher einen weitaus stärkeren Kursrutsch als Investment-Grade-Länder mitgemacht.

 

Derzeit könnte man als Reaktion auf diesen Kurssturz einen Dominoeffekt an den Aktien- und Schwellenländermärkten beobachten, meint van der Made. Bislang hätten sich die Anleihemärkte der Schwellenländer als widerstandsfähig erwiesen. Mit den angeschlagenen Aktienmärkten kämen sie jetzt allerdings auch in Rutschen. Solange die Aktienmärkte boomten, würden auch Schwellenländerbonds profitieren, die in lokaler Währung notieren.

 

"Wir sehen den gegenwärtigen Ausverkauf jedoch vor allem als Maßnahme der Risikoreduzierung und des Abbaus der Fremdverschuldung bei stärker spekulativ ausgerichteten Investoren. Solange dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist, werden die Märkte nervös bleiben. Sozusagen als Langzeitfolge dieses Zwischenspiels wird uns wohl ein höherer globaler Kreditrisikoaufschlag bleiben. Damit scheint ein erneutes Sinken der Emerging-Market-Spreads auf das Niveau vom 1. Juni (162 Basispunkte) bis auf weiteres ausgeschlossen. Die gegenwärtigen Turbulenzen dürften sich allerdings nicht wesentlich auf die allgemein positiven Rahmendaten der Emerging Markets auswirken. Schließlich bieten die Emerging Markets nach wie vor ein Level an Diversifikation, das mit US High Yield derzeit nicht zu erreichen ist" konstatiert Bart van der Made.