Weil die Renditen auf Staatsanleihen der stärksten Industrienationen kontinuierlich sinken, sind Investoren immer stärker auf der Suche nach höher rentierlichen Anlageformen – und präferieren dabei vor allem Hochzinsanleihen. Das berichtet Koen Straetmans, Senior Multi-Asset Stratege bei der niederländischen Fondsgesellschaft ING Investment Management, in einer aktuellen Marktanalyse. "Diese Jagd nach Rendite begünstigte die verschiedenen Spread-Produkte zwar gleichmäßig, doch ist High Yield wohl eine der wenigen Spread-Kategorien, die immer noch einen Zustrom von Anlagekapital verbuchen können", sagt Straetmans. Deshalb sei dieses Anleihensegment klar gegenüber anderen Festverzinslichen zu bevorzugen.

Extrem niedrige Renditen belasten Anleihen – und helfen High Yields
Bis zum Jahr 2012 hatten High-Yield-Titel weltweit besser abgeschnitten als die Aktienmärkte, danach glichen sich die Performance-Verläufe von High Yields und Aktien zunehmend an. Inzwischen laufen die Renditekurven allerdings dank des allmählichen Anstiegs der bis dahin extrem niedrigen Renditen langlaufender US-Treasuries wieder auseinander. Die Korrelation zwischen der relativen Renditekennziffer von Global High Yield gegenüber Aktien sei signifikant negativ. 

Mit dem zwischenzeitlichen Gleichlauf der Anleihen- und Aktienmärkte ist es also erst einmal vorbei, in Phasen, in denen Anleger stark von Anleihen in Aktien umschichten, leiden die Anleihenkurse auf breiter Front, finde "ein genereller Exodus an den Anleihenmärkten statt", sagt Straetmans – mit Ausnahme des Hochzins-Segments. Deshalb favorisiere der Asset-Manager weiterhin dieses Anleihensegment. Mit einer Rendite im oberen Bereich von fünf Prozent sei das Carry-Risiko-Verhältnis nach wie vor attraktiv. Das gelte sowohl für die Anleihenrenditen von Euro-Peripherie-Staaten wie Spanien, Italien, Portugal und Irland, als auch für Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern.

Aktienähnliche Performance
"Nicht zuletzt setzen wie auch wegen seiner Wachstumsorientierung auf Hochzinstitel", sagt Straetmans. Denn von allen Spread-Produkten wiesen die Hochzinsanleihen die höchste Korrelation mit Aktien auf. "Die Unternehmen haben sich günstig refinanziert und die Ausfallraten dürften niedrig bleiben", prognostiziert der Anleihenexperte. (dw)