Auch Europas größte Direktbank muss den Niedrigzinsen Tribut zollen, um dauerhaft rentabel zu bleiben. Die ING baut deshalb nun verstärkt auf das Wertpapiergeschäft. Vorstandschef Nick Jue kündigte auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag (6. Februar) an, Kunden in diesem Jahr einen digitalen Vermögensassistenten zur Seite zu stellen. Dieser soll wesentlich mehr können als herkömmliche Robo-Advisor. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Beratungsbedürftigen Kunden sollen auf Wunsch auch menschliche "Coaches" zur Verfügung stehen.

Im vergangenen Jahr war das Kreditinstitut bereits mit der automatisierten Vermögensanlage erfolgreich. So hat sich das Volumen im Wertpapiergeschäft nicht zuletzt dank der Kooperation mit dem Robo-Marktführer Scalable im Vorjahrsvergleich auf satte 1,2 Milliarden Euro verdoppelt. 14.400 Kunden eröffneten allein im Jahr 2019 ein Depot. Auch jenseits der Scalable-Kooperation hat das Wertpapiergeschäft der ING einen Aufwärtstrend erlebt: Viele Kunden schichteten laut Jue – wie von den Bankstrategen gewollt – von zinsmageren Spareinlagen auf Wertpapiere um, sodass das Depotvolumen von elf Milliarden auf nahezu 46 Milliarden Euro anschwoll.

Gebühren für Girokonten
Trotz dieser positiven Entwicklung sagt die ING der Nullkomma-Nichts-Kultur für alle in diesem Jahr adé und führt partiell Kontogebühren ein. Die Änderung soll laut Jue allerdings nur ein Viertel der Kunden betreffen.

Ab Mai verlangt die Direktbank 4,90 Euro von Kunden, die ihr Girokonto nur fürs Geldparken nutzen. Ein monatlicher Mindesteingang von 700 Euro wird dann Bedingung für ein kostenloses Girokonto sein. Kunden unter 28 Jahren und Kunden mit einem sogenannten Basiskonto sind von der Änderung nicht betroffen. (fp)