Die EU-Kommission denkt dieser Tage darüber nach, die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen. In einigen Mitgliedsstaaten der EU, zum Beispiel in Finnland, sind kleine Kupfermünzen schon länger nicht mehr im Verkehr. In Deutschland findet ein ähnliches Kleingeld-Experiment bislang nur in lokalem Rahmen statt – und droht nun am Widerstand der Beteiligten zu scheitern.

Händler auf der Nordseeinsel Wangerooge werden seit Ende vergangenen Jahres nicht mehr mit Ein-, Zwei- und Fünfcentmünzen beliefert. Die für die Lieferungen zuständige Volksbank Jever erklärte, der Aufwand sei zu hoch, denn die Kupfermünzen wurden per Flugzeug auf die Insel gebracht. Die Händler sollen Preise nun auf- oder abrunden. Das wollen sie aber offensichtlich nicht: Laut "Tagesspiegel" sind Handelstreibende auf der Insel dazu übergegangen, Kupfermünzen untereinander zu tauschen oder das Kleingeld aus den Spardosen ihrer Kunden anzunehmen.

Tauschsystem könnte kollabieren
Die Wangerooger Händler führen praktische Probleme ins Feld. So können Buchhändler wegen der Buchpreisbindung nicht einfach die Preise ändern. Der Wangerooger Bürgermeister hatte als Alternative zu gerundeten Preisen vorgeschlagen, dass Kunden an der Kasse selbst entscheiden sollen, ob sie die Preise aufrunden und den Aufschlag sozialen Projekten zugutekommen lassen. Das sei in der Praxis aber zu umständlich und zeitraubend, argumentieren die Geschäftsbesitzer. "Wir kommen nicht ohne die Münzen aus", sagte die lokale Buchhändlerin Claudia Grunemann dem "Tagesspiegel".

Wenn die Touristen zur Sommersaison die Insel stürmen, könnte das aktuelle Kupfergeld-Tauschsystem zusammenbrechen. Sollte dann der Vorrat an kleinen Münzen zur Neige gehen, könnte es sein, dass jeder Händler selbst dafür verantwortlich ist, sich auf dem Festland mit Kleingeld einzudecken. (fp)