"Interessanter Investment Case": Hier wittert der Oddo-BHF-CIO Chancen
Nach drei Dekaden Deflation und Nullzinsen zeichnet sich in Japan eine echte Trendwende ab. Insbesondere die lange Zeit gebeutelte Finanzbranche könnte davon profitieren, meint Peter Reichel von Oddo BHF.
Nippons Banken könnten überproportional vom "strukturellen Regimewechsel" profitieren, der sich gerade in Japan vollzieht. Davon ist Peter Reichel überzeugt, Chief Investment Officer (CIO) der Privatbank Oddo BHF. Ein steigender Finanzierungsbedarf und höhere Zinsen sollten das Kreditgeschäft und die Margen der Institute stärken, so der Anlagestratege.
"Japan galt über Jahrzehnte als das Land der Deflation, der Nullzinsen und der enttäuschten Erwartungen", schreibt Reichel in einem aktuellen Marktausblick. Doch die Einschätzung seines Teams gegenüber Japan habe sich verändert: Sei man bislang neutral positioniert gewesen, sehe man nun ein attraktives Investmentthema. "Im Fokus steht dabei weniger eine breite Japan-Allokation als der Bereich, der den aktuellen Regimewechsel möglicherweise besonders unmittelbar widerspiegelt: japanische Banken", so der Ökonom.
"Positiver nominaler Wachstumsschock"
Japan erlebe erstmals seit rund 30 Jahren wieder ein echtes Inflationsregime. Die Inflation liege inzwischen seit vier Jahren über dem Inflationsziel der Bank of Japan von zwei Prozent. "Gleichzeitig deutet die Kombination aus steigenden Löhnen, robusterer Binnennachfrage und fiskalischen Impulsen darauf hin, dass sie auch in den kommenden Jahren nicht dauerhaft unter diese Marke zurückfallen dürfte", meint Reichel. Damit wachse der Druck auf die Bank of Japan, den geldpolitischen Ausnahmezustand der vergangenen Jahrzehnte schrittweise zurückzuführen.
"Diese Kombination ist bemerkenswert", findet der Anlagestratege. "Während viele westliche Volkswirtschaften unter den Folgen höherer Zinsen leiden, erlebt Japan erstmals seit Jahrzehnten einen positiven nominalen Wachstumsschock." An den Anleihemärkten spreche vieles für strukturell höhere Renditen. "Die Phase künstlich unterdrückter Zinsen nähert sich ihrem Ende und verändert die Rahmenbedingungen für die gesamte Volkswirtschaft", betont Reichel.
Aus Gegen- wird Rückenwind
Kaum ein Sektor sei von drei Jahrzehnten Deflation und Nullzinsen stärker belastet worden als die Banken. "Ein Umfeld aus moderater Inflation, steigenden Löhnen, wachsendem Finanzierungsbedarf und langsam anziehenden Zinsen verändert diese Ausgangslage grundlegend", schreibt der Oddo-BHF-CIO. "Während Banken in Europa und den USA bereits seit Jahren von höheren Zinsen profitieren, beginnt dieser Prozess in Japan gerade erst."
Bereits moderate Veränderungen der Zinsstrukturkurve könnten die Profitabilität japanischer Institute spürbar verbessern. Hinzu kämen solide Kapitalquoten, hohe Einlagenbestände und umfangreiche Beteiligungs- und Wertpapierportfolios, deren Ertragskraft in einer nominal wachsenden Wirtschaft zunehmen könnte.
Finanz- vor Export- und Tech-Aktien
Reichel räumt ein, dass es durchaus Risiken gibt: "Geopolitische Spannungen, Wechselkursbewegungen oder eine deutliche globale Wachstumsabschwächung könnten temporäre Rückschläge auslösen", schreibt er. "Sie stellen den übergeordneten strukturellen Trend jedoch nicht zwangsläufig infrage."
Reichels Fazit: "Höhere Inflation, steigende Löhne, positive Nominalwachstumsdynamik und historisch günstige Bewertungen schaffen eine Kombination, die in den entwickelten Volkswirtschaften selten geworden ist." Seine zentrale Botschaft laute daher: "Der interessanteste Investment Case in Japan liegt meiner Meinung nach derzeit nicht zwingend in den bekannten Export- oder Technologiewerten, sondern im Finanzsektor." (fp)




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