“Bad News are Good News”, sagen nicht nur Medienvertreter, sondern vielfach auch jene Marktakteure, die bei schlechten Nachrichten aus der Realwirtschaft auf eine expansivere Geldpolitik der Notenbanken hoffen. Laut Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist bei Invesco AM, erwarten mittlerweile immer mehr Investoren, dass die US-amerikanische Notenbank 2019 den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal nehmen werde – und nicht nur die Fed. Einem Bericht der "Financial Times“ zufolge seien europäische Wirtschaftsführer vor einigen Tagen zu einem privaten Treffen mit EZB-Vertretern zusammengekommen, um ihre Sorgen über die Verfassung der Weltwirtschaft zum Ausdruck zu bringen. Es sei anzunehmen, dass sie sich mit der EZB getroffen haben, da sie sich von ihr eine akkommodierende Geldpolitik erhoffen.

Alte Annahmen könnten obsolet werden
"Ich glaube allerdings, dass diese in der Vergangenheit durchaus richtige Annahme künftig möglicherweise nicht mehr zutreffen wird“, warnt Hooper. Es könne durchaus sein, dass die Gesamtinflationsrate durch den massiven Einbruch des Rohölpreises gesunken sei. Die Fed orientiert sich aber an der Kerninflation ohne Energie- und Lebensmittelpreise.

Ein wichtiger Faktor für die Kerninflation ist das Lohnwachstum. Falls die Löhne weiter so stark steigen sollten wie zuletzt – im US-Arbeitsmarktbericht für Oktober wurde über einen Anstieg der durchschnittlichen Stundenlöhne um über drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr berichtet–, könnte die Fed keine ausreichende Flexibilität haben, um bei ihren Zinserhöhungen eine Pause einzulegen. "Obwohl ich davon ausgehe, dass die EZB in den kommenden Monaten an ihrer sehr akkommodierenden Geldpolitik festhalten wird – und das Ende ihrer Anleihenkäufe sogar nochmals verschieben könnte –, könnte sich die Haltung der EZB ändern, wenn ihr Präsident Mario Draghi im Oktober 2019 aus dem Amt scheidet“, erklärt Hooper. 

Fundamentaldaten werden wieder wichtiger
Die Invesco-Chefstrategien empfiehlt daher, dass sich Investoren nicht darauf verlassen sollten, dass die Zentralbanken weiter ein so umfangreiches Sicherheitsnetz spannen werden, wie sie es in den letzten zehn Jahren getan haben. Tatsächlich dürften die Notenbanken künftig eher einen Risikofaktor darstellen. Dies und die aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen dürften für mehr Volatilität sorgen.

In einem solchen Umfeld dürften die Unternehmensfundamentaldaten zu einem wichtigeren Performancetreiber werden, als sie es in den letzten zehn Jahren waren, als Risikoanlagen von einem komfortablen geldpolitischen Sicherheitsnetz profitierten. "Ungeachtet der zuletzt eher düsteren Marktstimmung rechne ich weiterhin mit einer moderaten Erholung an den Aktienmärkten, so dass diese das Jahr im Vergleich zum aktuellen Niveau zumindest etwas höher schließen dürften“, prognostiziert Hooper abschließend. (aa)