Kristina Hooper bleibt skeptisch gestimmt: "Ich glaube nicht, dass es mit den Rückschlägen an den Märkten vor den im November anstehenden Zwischenwahlen in den USA vorbei sein wird“, warnt die leitende Marktstrategin von Invesco. Ihrer Ansicht nach werden die Kurskapriolen in den kommenden Wochen weitergehen. Eine wichtige Rolle spielen dabei laut Hooper die zukünftigen Erwartungen der Marktteilnehmer.

Auch wenn die vorläufigen Schätzungen des BIP-Wachstums in Höhe von 3,5 Prozent in den USA positiv ausfielen: Hooper zufolge interessieren sich die Märkte derzeit wesentlich stärker dafür, wie es nach dem dritten Quartal weitergeht und fürchten, dass das Wirtschaftswachstum künftig nicht mehr so robust ausfallen könnte. Das könnte ein Grund für die jüngsten Kursabschläge sein. "Die Daten vom Häusermarkt zum Beispiel haben zuletzt ganz klar enttäuscht und könnten sich als Frühwarnsystem für die negativen Auswirkungen der geldpolitischen Straffung durch die US-amerikanische Notenbank erweisen."

Positive Unternehmensergebnisse wurden abverkauft
Investoren fürchten zudem, dass die Unternehmensgewinne ebenfalls bereits ihren Höchststand erreicht haben könnten. Das könnte auch ihre pessimistische Reaktion auf positive Gewinnüberraschungen erklären. "Die Kurse der Unternehmen im S&P 500 Index, die unerwartet gute Ergebnisse für das dritte Quartal vorgelegt haben, sind in den vier Tagen rund um die Ergebnisveröffentlichung um durchschnittlich 1,5 Prozent gesunken. Im Schnitt der letzten fünf Jahre haben Unternehmen mit unerwartet guten Ergebnissen in diesem Zeitfenster einen Kursanstieg von +1,0 Prozent verzeichnet“, weist Hooper hin.

Blicke auf die Fed gerichtet
Zudem sorgen sich die Märkte auch über ein mögliches Abwürgen des Wachstumsmotors durch die Fed. Die amerikanische Notenbank scheint – bis auf weiteres – fest entschlossen zu sein, die Zinsen weiter zu straffen. Der Vize-Vorsitzende der Fed, Richard Clarida, wiederholte diese Botschaft in der vergangenen Woche und trug damit sicherlich nicht zur Beruhigung der Märkte bei.

Die Präsidentin der Cleveland-Fed, Loretta Mester, war Ende der letzten Woche aber einen Rettungsring aus, indem sie erklärte, dass die Fed die Verfassung der Wirtschaft weiterhin anhand der aktuellen Datenlage bewerten werde — was doch sehr an den von den Märkten geschätzten "datenabhängigen“ Ansatz der Geldpolitik unter der ehemaligen Fed-Vorsitzenden Janet Yellen erinnerte. (aa)