Die großen Notenbanken könnten ihre Anleihekaufprogramme im laufenden Jahr noch ausweiten, prophezeien Strategen von Invesco. Auf kurze Sicht würden sie den Märkten damit helfen. Auf lange Sicht richtet die Liquiditätsschwemme aber ernste Schäden an, befürchten die Experten. "Wir bezweifeln, dass das Geld an Bäumen wächst, die von den Zentralbanken folgenlos abgeerntet werden können", warnt Paul Jackson, Leiter des Bereichs Asset Allocation Research bei dem Fondsanbieter. Die Zentralbanken haben nicht nur ein Sicherheitsnetz unter Risikoanlagen gespannt, sagt er – "sondern den Märkten scheinbar auch jegliche natürliche Begrenzung nach oben genommen. Dadurch haben sie die Bildung spekulativer Blasen in zahlreichen Bereichen gefördert."

Die Notenbanken schienen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, eine Destabilisierung der Finanzmärkte zu verhindern, sagt Jackson. "Genauer gesagt tun sie alles, was sie können, um Ausschläge nach unten zu verhindern, während sie Aufwärtsbewegungen zulassen oder sogar anheizen." Es scheine, als seien die Aktienmärkte in den entwickelten Volkswirtschaften so wichtig geworden, dass man ihren Zusammenbruch wegen der möglichen Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung und die Wirtschaft nicht zulassen wolle. Die Befürchtung des Strategen: In einer Rezession können die Bewertungen der Aktienmärkte so nicht auf ein angemessenes Niveau sinken.

Gut gemeint ist nicht gut gemacht
Die Zentralbanken müssen die Märkte in jeder Rezession mehr unterstützen, müssen immer einen Gang höher schalten, warnt der Invesco-Stratege. Damit entfernen sie sich immer weiter von dem, was in der Vergangenheit als stabiles geldpolitisches Regime galt, mahnt er. Die einzige Inflation, die daraus resultiere, sei die der Vermögenspreise. So befördern die Notenbanken nicht nur die Bildung von Spekulationsblasen, sondern könnten letztlich sogar soziale Unruhen hervorrufen, indem sie den Reichen helfen, noch reicher zu werden. Das könnte wiederum dem Populismus Vorschub leisten, befürchtet Jackson – und genau jene Instabilität zur Folge haben, die die Zentralbanken eigentlich verhindern wollen. (fp)