Obwohl globale Energieaktien während der jüngsten Volatilität an den weltweiten Aktienmärkten gelitten haben, trauen die Energieexperten von Investec Asset Management ihnen immer noch enormes Potenzial zu.

 

Mark Lacey und Jonathan Waghorn, Portfoliomanager der globalen Energieportfolios bei Investec, kommen in einer aktuellen Marktanalyse zu dem Schluss, dass sich Anlegern jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt im Energiesektor bietet. Hierfür sprächen nicht nur die Aussicht auf steigende M&A-Aktivitäten in der Branche sowie das Verhältnis zwischen den aktuellen Aktienkursen und den zugrundeliegenden Rohstoffpreisen.

Nach Einschätzung der Energieexperten haben die aktuellen Bewertungen im globalen Öl- und Gassektor in einigen Fällen die Tiefs von März 2009 unterschritten, als Rohöl bei gerade einmal 35 US-Dollar je Barrel notierte. Das globale Energieangebot sei aber angesichts der Nachfrage weiterhin extrem knapp.

Angebotsknappheit auf dem Ölmarkt hält an

 

"Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass die Energiebranche massiv investieren muss, um ein Kapazitätspolster aufzubauen, denn sie hat lange Zeit zu wenig investiert. Dabei beschränkt sich der Investitionsbedarf nicht nur auf die Suche und Entwicklung neuer Ölfelder", so Mark Lacey.

Vielmehr müssten die Unternehmen auch Geld in die Hand nehmen, um bestehende und in weiten Teilen veraltete Anlagen zu ersetzen. Wenn diese Investitionen in den kommenden Monaten wegen unzureichender Mittel ins Stocken gerieten und viele große Projekte zurückgestellt würden, führe dies lediglich zu einer weiteren Angebotsverknappung in der Zukunft und damit zu einer weiteren Senkung der vorhandenen Kapazitäten.

 

In ihrem jüngsten Monatsbericht prognostiziert die Internationale Energieagentur, dass die Marktknappheit vermutlich anhält, und ändert ihre Prognosen gegenüber früheren Angebots- und Nachfrageszenarien vor Beginn der OECD-Turbulenzen nur wenig.

 

"Isoliert betrachtet und unter der Annahme eines globalen BIP-Wachstums von lediglich drei Prozent im Jahr 2012 hieße dies, dass die freien Kapazitäten der OPEC weiterhin etwa 3,3 Mio. Barrel je Tag, also 3,6 Prozent der globalen Ölnachfrage, betragen", merkt Jonathan Waghorn an. Er und seine Kollegen würden allerdings bezweifeln, dass das schwache BIP-Wachstum in den OECD-Ländern die weltweite Ölnachfrage zwangsläufig stark beeinträchtigt. "Nach unserem Dafürhalten hängt der weltweite Rohölverbrauch weiterhin vom Nachfragewachstum außerhalb der OECD ab, während die OECD-Nachfrage wegen der fortschreitenden Effizienzsteigerungen in den nächsten zehn Jahren vermutlich wenig bis gar nicht wächst", so Waghorn weiter.

 

Chinesische Nachfrage sorgt für nachhaltigen Rückenwind

Berücksichtigt man dieses Nachfragewachstum sowie die sinkende Produktion in seit langem bestehenden Feldern etwa in der Nordsee, in Mexiko und Russland, sollte es nach Einschätzung der Manager schwierig werden, die Nachfrage ohne massive Investitionen in Upstream-Projekte zu decken. Daneben sollte auch der chinesische Wachstumstrend beim Ölkonsum die globale Ölnachfrage in den nächsten zehn Jahren wesentlich prägen. "Die USA sind mit etwa 18 Millionen Barrel pro Tag der größte Ölverbraucher und bleiben ein sehr wichtiger Faktor. Wenn der Rohölkonsum Chinas ab heute bis 2020 aber um durchschnittlich 7 Prozent pro Jahr wächst, könnte das Land die USA im Jahr 2022 durchaus an der Spitze ablösen", schätzt Waghorn.

 

Aktienkurse signalisieren erhebliches Potenzial

"Wir haben Ölpreisszenarien von 60, 80 und 100 US-Dollar je Barrel untersucht, um festzustellen, ob die aktuellen Aktienkurse Steigerungspotenzial bieten und ob die Unternehmensdividenden nachhaltig sein können", so Waghorn. "Ein Vergleich der Unternehmensbewertungen in Zeiten deutlich niedrigerer Rohölpreise bestätigt uns in unserer Einschätzung, dass einige Ölfirmen jetzt außergewöhnlich günstig scheinen. Angesichts der soliden Bilanzen dieser Unternehmen gilt dies nur umso mehr. Das illustriert letztendlich die Nachhaltigkeit der von diesen Gesellschaften gezahlten Dividenden, während die Rendite zwischen sechs und neun Prozent liegt", so Waghorn weiter.

 

Die Aktienkurse von in Großbritannien börsennotierten Explorations- und Produktionsunternehmen (E&P) seien in den letzten fünf Monaten um 35 bis 70 Prozent gefallen. Diesen Kursen im britischen E&P-Sektor liege aktuell ein Ölpreis von knapp unter 60 US-Dollar je Barrel zu Grunde, während Brent derzeit etwa 105 US-Dollar je Barrel koste. "Das ist ein immenser Abschlag, und seit Jahren der größte Abschlag gegenüber den Kassa- und Terminkursen", so Waghorn.

 

Standardwerte mit Potenzial

Die Manager sehen auch Anlagechancen in Standardwerten aus dem integrierten Öl- und Gassektor, wo die Aktienkurse um 25 bis 40 Prozent eingebrochen sind. Ihnen zufolge leigen die Aktien einiger dieser integrierten Firmen aktuell unter ihren Kursen von März 2009 liegen, als der Ölpreis auf 35 US-Dollar je Barrel fiel. Besonders in Europa seien die integrierten Unternehmen extrem schwach gewesen und Firmen mit einem AA-Rating hätten nun Dividendenrenditen von sieben bis acht Prozent.

 

Außerdem würden integrierte Unternehmen in Europa, den USA, Kanada, Brasilien und Chile mittlerweile unter dem Wert ihrer nachgewiesenen Reserven gehandelt werden - was angesichts der großen Vorkommen, aus denen diese Unternehmen schöpfen können, in der Branche sehr selten ist. "Unser Bewertungsmodell signalisiert auf Basis unseres langfristigen Kurses von 100 US-Dollar je Barrel derzeit deutliches Kurssteigerungspotenzial für Aktien", sagen die beiden Manager.

 

Konkretere Wachstumsprognose

Bei einem langfristigen Ölpreis von 100 US-Dollar je Barrel errechnen Lacey und Waghorn anhand ihrer Bewertungsmodelle ein durchschnittliches Kurssteigerungspotenzial von etwa 95 Prozent für den britischen E&P-Sektor, von etwa 80 Prozent für die USA und von etwa 85 Prozent für kanadische Ölsandunternehmen. (ir)

 

 

Investec Asset Management wurde 1991 gegründet und hat sich als Experte in der Investmentverwaltung für institutionelle Kunden und Privatanleger positioniert. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Südafrika und Großbritannien.