"Die Gewinne europäischer Unternehmen werden bis 2016 voraussichtlich um elf bis zwölf Prozent wachsen. Damit könnte sich die Gewinnlücke zwischen europäischen und US-Unternehmen schließen", sagt Ken Hsia, Fondsmanager des Investec GSF European Equity Fund. Die Unternehmen profitierten vom schwachen Euro und dem niedrigen Ölpreis. Zudem hätten viele europäische Unternehmen in der Krisenzeit Reformen umgesetzt und durch Kosteneinsparungen eine Gewinnerholung angestoßen. Europäische Aktien, die sich seit Jahresbeginn gut entwickelt haben, hätten daher fundamental betrachtet genügend Spielraum für weitere Kursteigerungen. "Viele Unternehmen dürften die Chance nutzen, ihre gestiegenen Gewinne durch Dividendenerhöhungen und Aktienrückkäufe weiterzureichen", so Hsia.

Abwertung des Euro stärkt die Exportwirtschaft
Der Fondsmanager verweist auf die große Bedeutung der Exporte für die europäische Wirtschaft. Europa sei die Heimat vieler globaler Marktführer, der Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt doppelt so hoch wie in den USA. Der schwache Euro, der seit vergangenem Mai gegenüber dem US-Dollar um rund 20 Prozent abgewertet habe, dürfte daher entscheidende Auswirkungen haben. "Einerseits verbessert das die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exportwirtschaft. Andererseits erhalten die Unternehmen für ihre Dollar-Umsätze nun mehr Euro, und das wirkt sich direkt auf die Unternehmensgewinne aus", sagt Hsia.

Niedrige Ölpreise stärken den Binnenmarkt
Europa sei aber zugleich ein großer Binnenmarkt. "Viele Unternehmen erzielen einen Großteil ihrer Wertschöpfung auf dem Kontinent, und die Kaufkraft der Konsumenten in diesem Markt wird durch den niedrigen Ölpreis gestärkt", sagt der Fondsmanager. Durch fallende Preise werde effektiv Wohlstand von den Erdölexporteuren zu den Importländern transferiert, zu denen auch die europäischen Staaten gehörten. Neben den Konsumenten profitierten davon auch die Unternehmen, bei denen die Energie einen großen Teil der Kostenbasis ausmacht. In den vergangenen Jahren haben sich zudem die Aussichten für Unternehmen mit starkem Fokus auf dem Binnenmarkt fundamental verbessert. "Wir erleben in Europa die ungewöhnliche Situation, dass der Konkurrenzdruck in einigen Sektoren durch die zurückliegende Krise abgenommen hat. Davon profitieren die verbleibenden Unternehmen, die sich zudem durch Reformen zusätzlich gestärkt haben", so Hsia. Zu diesen Profiteuren gehörten etwa Europas größter Reiseveranstalter TUI oder das Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehme Capgemini, die jeweils rund 80 Prozent ihres Umsatzes in Europa erwirtschafteten. (fp)