Der Streit um Italiens Haushalt dauert an: Die EU-Kommission hat am Mittwoch den ersten Schritt zu einem Strafverfahren gegen Rom getan und ein Defizitverfahren mit möglichen Sanktionen empfohlen. Italiens Finanzminister Giovanni Tria signalisierte daraufhin Kompromissbereitschaft. In der Folge stabilisierten sich die Kurse italienischer Staatsanleihen. Investoren sollten diese kurzfristigen Verbesserungen aber nicht überbewerten, warnt Garland Hansmann, Portfoliomanager bei Investec Asset Management. "Italien scheint zunächst auch weiterhin eine riskantere Position im Kontext der Europäischen Staatsanleihenmärkte zu bleiben", sagt er.

Viele Marktbeobachter sehen die jüngste Entspannung als Lichtblick. Schließlich scheint es, als wolle Italien Strafzahlungen vermeiden. Optimisten glauben: Allein das Signal für Gesprächsbereitschaft deutet darauf hin, dass Italiens Regierung nachgeben wird. Investec-Experte Hansmann ist skeptischer. Italiens Haltung ergibt aus verhandlungstaktischer Sicht Sinn, sagt er: "Die Strafzahlung wäre schmerzlich für den italienischen Haushalt sowie die Konjunktur." Ob Rom dagegen maßgeblich von seinen Budget-Plänen abweichen und sich den Vorgaben der EU beugen wird, bleibt für ihn fraglich. 

Lega Nord wird immer stärker
Anleger sollten nach Hansmanns Ansicht nicht vergessen, dass sich die Position der Lega Nord in Meinungsumfragen seit der Wahl im März von 18 Prozent auf fast 35 Prozent deutlich verbessert hat. "Dies geschah vor allem vor dem Hintergrund einer Rhetorik, sich von der EU nicht unterdrücken zu lassen", betont der Anlageprofi.

Er vermutet, dass es im Sinne der Partei ist, weiter streitlustig aufzutreten. Die Kontroverse dürfte also womöglich nicht so schnell verschwinden, wie einige Kommentatoren hoffen. Hansmann warnt: Bei italienischen Anleihen ist weiter Vorsicht geboten. (fp)