Die Geldpolitik der großen Notenbanken driftet auseinander, und einige Volkswirtschaften wachsen stärker als andere. Diese Entwicklung dürfte in den kommenden Monaten zu starken Kursschwankungen an den Aktien- und Anleihemärkten führen, sagt John Stopford, Fondsmanager bei Investec. Sein Rat: Anleger sollten Kursrücksetzer als Kaufgelegenheiten betrachten, nicht als Beginn eines Abwärtstrends.

Die unterschiedlichen Entwicklungen in der Weltwirtschaft sind kein neues Phänomen. "Investoren haben diesem Fakt im ersten Halbjahr 2015 aber keine große Beachtung geschenkt, weil sich die US-Wirtschaft schwächer entwickelt hat als erwartet", sagt Stopford. Nun dürften Anleger stärker darauf schauen, wie unterschiedlich sich die Geldpolitik rund um den Globus bewegt. Das dürfte Auswirkungen auf die mittelfristige Kursentwicklung an den Kapitalmärkten haben.

Zinserhöhung verschafft dem Greenback Auftrieb
Der Aufschwung in den USA erlaubt es der US-Notenbank, die geldpolitischen Zügel anzuziehen. Eine erste Zinsanhebung erwarten die Investec-Experten Ende des Sommers, die Bank of England dürfte kurz danach folgen. "Der Zinsschritt wird dem US-Dollar neuen Auftrieb geben – weniger gegenüber dem Pfund als gegenüber den restlichen Weltwährungen", prognostiziert Stopford. Auch an den Anleihemärkten rechnet der Fondsmanager damit, dass die Kurse in Bewegung kommen: Eine Zinsanhebung bei US-Treasuries sei erst für Januar eingepreist. "Im Endeffekt haben die Zinsen in den USA mehr Aufwärtspotenzial als in Großbritannien, weil die britische Wirtschaft empfindlicher auf Veränderungen der kurzfristigen Sätze und die Aufwertung des Pfunds reagiert", sagt er.

Die restlichen Wirtschaftsregionen werden nach Ansicht des Investec-Experten ihre geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen fortsetzen. Das betrifft die Europäische Zentralbank ebenso wie die Bank of Japan. Nach den jüngsten Kurseinbrüchen an den chinesischen Börsen hat Chinas Notenbank begonnen, durch Zinssenkungen und andere Schritte die Wirtschaft des Landes zu stützen. "In den vergangenen drei Monaten haben 15 Notenbanken ebenfalls Lockerungsmaßnahmen bekannt gegeben", erklärt Stopford. "Einige davon, etwa die norwegische und schwedische Zentralbank, haben ihre geldpolitischen Zügel noch stärker als ihre wichtigsten Nachbarländer gelockert, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben." (fp)