Die Bilanz der als Quantitative Easing (QE) bekannten geldpolitischen Lockerung und der Niedrigzinspolitik der Notenbanken falle sehr durchwachsen aus, findet Philip Saunders, Portfoliomanager beim Fondsanbieter Investec. Nach nunmehr sechs Jahren wirtschaftlicher Erholung befinden sich die Zinssätze immer noch auf Krisenniveau – und das bei schwachem Wachstum und unzureichender Auslastung der volkswirtschaftlichen Ressourcen. "In der Politik breitet sich zunehmend Skepsis aus, ob über die monetäre Seite allein die hartnäckigen Konjunkturprobleme zu lösen sind", erklärt Saunders. 

Zweifellos hätten die QE-Maßnahmen anfangs ihre Berechtigung gehabt, um das starke Schrumpfen der Geldmenge im Nachgang der globalen Finanzkrise auszugleichen. Überdies spielten sie eine Rolle bei der gezielten Schwächung von Währungen, zunächst im Fall des US-Dollar, später beim Yen und schließlich beim Euro. Dies half dem jeweils betroffenen Wirtschaftsraum – wenn auch zugegebenermaßen auf Kosten der jeweils anderen. Die konjunkturelle Erholung fiel jedoch bislang schleppend aus, während die Nebenwirkungen zunehmend außer Kontrolle geraten. 

Chronische Abhängigkeit von der Liquiditätsdroge
"Die extrem niedrigen Zinsen sorgten für einen kräftigen Aufschwung vor allem der Finanz- und Immobilienmärkte, führten zu einer erheblichen Fehlallokation von Kapital und verstärkten dadurch das bereits bestehende soziale Ungleichgewicht spürbar", sagt Saunders. Sparer würden vor die Wahl gestellt, auf riskantere Anlagen zu setzen oder die Aufzehrung ihrer Vermögenswerte zum Wohl der Allgemeinheit hinzunehmen. "Die Märkte warten mittlerweile wie Abhängige auf die nächste QE-Spritze", so der Portfoliomanager. Sollten sie einmal nicht mehr bekommen, was sie benötigen, drohe ein deflationärer Kollaps. (fp)