Das Problem der Bevölkerungsüberalterung ist ein Scheinproblem, sagt Jeroen Wilbrink, Senior Client Advisor beim Fondsanbieter NN Investment Partners. Immer wieder wird Überalterung als ein massives Problem für Regierungen dargestellt. Die negative demografische Entwicklung werde sich gravierend auf Wirtschaft, Wachstum und Beschäftigung auswirken, prognostizieren Experten gerne. Auch die Ratingagentur Moody's, die OECD sowie die Vereinten Nationen haben kürzlich ein düsteres Bild einer überalterten Gesellschaft gezeichnet.

Wilbrink betrachtet die Lage als weit weniger besorgniserregend. "Mir scheint, als machten wir uns Sorgen um nichts und dass Altern nicht das Problem ist, als das es häufig dargestellt wird", sagt er. Bei näherer Betrachtung stelle sich heraus, dass die Berechnungsweise methodisch auf wackeligen Beinen stehe. Sämtliche Prognosen basieren auf dem Altersabhängigkeitsquotienten Old-Age Dependency Ratio (OADR) – also dem Verhältnis zwischen erwerbstätiger Bevölkerung und der Menschen über 65. "Aber ist diese Altersgrenze von 65 Jahren noch sachgerecht?", fragt Wilbrink.

Ü65-er sind noch fit
Menschen über 65 Jahren sind laut Wilbrink nicht abhängig, sondern tragen häufig noch produktiv zur Wirtschaftsleistung bei. "Sie gehen später in Rente, und selbst unbezahlte Arbeit als ehrenamtlicher Helfer ist ein positiver Beitrag zum volkswirtschaftlichen Gefüge", so Wilbrink. Und auch wenn sie nicht mehr arbeiten, sondern es sich im wohlverdienten Ruhestand gut gehen lassen – etliche dieser Ruheständler zahlen Steuern auf die Einkünfte aus ihren Pensionen oder Sparanlagen. (fp)