Investment-Kompass: Invesco setzt weiter auf Aktien statt Angst
Widerstandsfähige Verbraucher, eine wieder anziehende Kreditvergabe und ein schwächerer US-Dollar sprechen aus Sicht von Invesco weiterhin für Risikoanlagen. Kurzfristig sorgen jedoch geopolitische Risiken und nachlassende Risikobereitschaft für Gegenwind.
Der Vermögensverwalter Invesco hält an seinem grundsätzlich positiven Ausblick für die Kapitalmärkte fest. Zwar habe sich das Umfeld durch geopolitische Spannungen, Unsicherheiten rund um private Kreditmärkte und mögliche Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf einzelne Branchen verkompliziert. Die langfristigen Fundamentaldaten sprächen jedoch weiterhin für Risikoanlagen.
Im aktuellen "Investment-Kompass" verweist Invesco insbesondere auf die Widerstandsfähigkeit des privaten Sektors, fiskalische Impulse sowie eine wieder anziehende Kreditvergabe. Kurzfristig sei man allerdings vorsichtiger geworden. Die Risikobereitschaft der Anleger habe zuletzt nachgelassen, während sich die globale Konjunktur nach wie vor oberhalb ihres langfristigen Trends bewege.
Geopolitische Krisen sind oft kein Börsenkiller
Nach Einschätzung von Invesco überschätzen Anleger häufig die langfristigen Auswirkungen geopolitischer Konflikte auf die Aktienmärkte. Historische Auswertungen zeigen, dass der MSCI World ein Jahr nach früheren geopolitischen Krisen im Durchschnitt um 7,8 Prozent höher notierte. Selbst nach Konflikten wie dem Falkland-Krieg, dem Irak-Krieg oder dem Hamas-Israel-Konflikt verzeichneten die Märkte später vielfach deutliche Zugewinne.
Aktien außerhalb der USA bleiben Favoriten
Besonders konstruktiv zeigt sich Invesco weiterhin für Aktienmärkte außerhalb der Vereinigten Staaten. Europa, Japan und Teile Asiens böten nach wie vor attraktive Bewertungen. Zudem erwartet das Haus, dass der US-Dollar seinen längerfristigen Abwärtstrend fortsetzt. Ein schwächerer Dollar habe historisch häufig die Wertentwicklung von Aktien und Anleihen aus Schwellenländern unterstützt.
Verbraucher bleiben erstaunlich robust
Ein zentrales Argument für den positiven Ausblick liefert laut Invesco die Entwicklung der privaten Haushalte. Sowohl in den USA als auch in Großbritannien sei die Verschuldung im Verhältnis zum Einkommen deutlich niedriger als vor der Finanzkrise 2008. Dadurch verfügten die Verbraucher über größere finanzielle Puffer und könnten wirtschaftliche Belastungen besser verkraften.
Zusätzlichen Rückenwind erhielten die US-Konsumenten zuletzt durch hohe Einkommensteuerrückerstattungen. Diese lagen laut Invesco um rund 20 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Kreditzyklus dreht wieder nach oben
Positiv bewertet der Vermögensverwalter außerdem die Entwicklung der Kreditvergabe. Sowohl in den USA als auch in Europa und Großbritannien habe das Kreditwachstum zuletzt wieder an Dynamik gewonnen. Dies sei ein wichtiger Hinweis darauf, dass Unternehmen und Verbraucher wieder stärker investieren und konsumieren könnten.
Höhere Inflation könnte bleiben
Gleichzeitig warnt Invesco vor strukturellen Veränderungen. Lieferkettenprobleme, geopolitische Konflikte und mögliche Rohstoffengpässe könnten dazu führen, dass die Inflation künftig höher und volatiler bleibt als in den vergangenen Jahrzehnten.
Vor diesem Hintergrund seien Anleger gut beraten, stärker auf Sachwerte, inflationssensitive Anlagen und alternative Ertragsquellen zu setzen. Ein klassisches 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen könnte künftig weniger zuverlässig funktionieren als in der Vergangenheit.
Risikoappetit nimmt ab
Trotz der insgesamt konstruktiven Einschätzung sieht Invesco die Märkte derzeit in einer Phase nachlassender Risikobereitschaft. Die Frühindikatoren signalisierten zwar weiterhin Wachstum oberhalb des Trends, die Dynamik habe jedoch nachgelassen. Dies spreche kurzfristig für eine etwas defensivere Positionierung.
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